Zugegeben, die Idee besticht. Man nehme eine Buchserie, die sich gerade bei Jugendlichen großer Beliebtheit erfreut, pflücke diese inhaltlich auseinander und verknüpfe seine eigenen missionarischen Ideen und Gedanken damit. Und schon haben wir ein Büchlein für die Jugend, das diese wegen des Themas sonst bestimmt nicht freiwillig zur Hand nehmen würde. Die amerikanische Autorin ist Assistenzprofessorin für Theologie an einem College in Illinois und mit einem Pastor verheiratet. In ihrem Büchlein nimmt sie einzelne Aspekte der Twilight-Saga von Stephenie Meyer in 10 Kapiteln unter die Lupe, wie etwa den Reiz einer gefährlichen Beziehung, Sexualität, die Geschlechterrollen oder das Familienbild. Diese beleuchtet sie unter augenscheinlich christlichen Gesichtspunkten, um ihre jugendlichen Leser auf den rechten Pfad der Tugend zu führen, denn ihr Fazit ist, dass die Liebesgeschichte von Bella und ihrem Herzensvampir Edward so überhaupt nicht geht, auch wenn Sex vor der Ehe nicht stattfindet. Das verpackt sie in wohlgewählte, tolerant scheinende Worte und fügt jedem Kapitel noch einige Fragen bei, die der Gewissenserforschung des Lesers dienen sollen. Dennoch trieft das Buch vor amerikanischen Puritanismus und redet einer Prüderie das Wort, die wir in Europa hoffentlich hinter uns gelassen haben. Zudem verhehlt sie nicht ihre Geringschätzung für die religiösen Anschauungen der Mormonin Meyer und ist damit weit jenseits jeder religiösen Toleranz, s. S. 181. Für KÖBs unbrauchbar!
Beate Mainka
Jahrgang 1961. Da ich bereits vor der Schule den Büchern verfallen war, war die Ausbildung zur Diplom-Bibliothekarin eine logische Konsequenz. Danach arbeitete ich 13 Jahre als Buchhändlerin in Bonn und Freiburg bis zur Geburt meiner beiden Kinder.
Seit 1999 leite ich ehrenamtlich eine KÖB im ländlichen Westfalen, seit 2002 bin ich Rezensentin für die Buchprofile in den Bereichen Belletristik sowie Kinder- und Jugendliteratur, die schon im Buchhandel zu meinen Schwerpunkten zählten. Ebenso rezensiere ich für die ekz und seit 2008 für das Titel-Magazin im Internet mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur. Journalistische Arbeiten für die BiblioTheke und die Mitarbeit an verschiedenen Publikationen des Borromäusvereins zur Leseförderung ergänzen mein freiberufliches Pensum.
Wenn ich mal ausnahmsweise nicht lese oder schreibe, durchpflüge ich schwimmend jede Art von Gewässer, verreise gerne mit meiner Familie und liebe es, mich im Theater oder Kino gepflegt unterhalten zu lassen.