Die Mutter wurde immer einsilbig, wenn ihr Sohn sie nach dem Vater fragte. Auch als die Fragen drängender wurden, änderte sich daran nichts. Nach den Angaben der Mutter ist sein Vater gegangen; mehr wird nicht erklärt. Der Junge vertieft sich in das einzige Foto seines Vaters, das bislang eher unbeachtet auf einem Regal im Wohnzimmer stand. Auf der Rückseite findet er den Stempel mit einer Pariser Adresse, und zu seinem großen Erstaunen handelt es sich bei dem Fotografen um seinen mysteriösen Patenonkel André, der sich nach seiner Taufe nie mehr gemeldet hatte. Ohne Wissen seiner Mutter und seines Stiefvaters fährt er nach Paris, findet auch seinen Patenonkel, und nach einigem Zögern erzählt ihm dieser die wahre Geschichte seines Vaters Emil. André und Emil waren einstmals sehr eng befreundet. Der eher labile Emil glaubte zunächst, die ersehnte Sicherheit und Geborgenheit in der Ehe mit einer jungen Frau zu finden. Doch bald nach der Hochzeit macht der Lehrer Emil die Bekanntschaft eines Zöglings, Sebastian, in den er sich hoffnungslos verliebt. Emil versucht zwar noch eine Weile, die Fassade der Ehe, nicht zuletzt wegen der Schwangerschaft der Frau, aufrechtzuerhalten. Aber lange geht das natürlich nicht gut. Der Vater und seine wahre Liebe, Sebastian, begehen gemeinsam Selbstmord. - Es geht in dieser eindringlichen Geschichte über eine schicksalhafte Verstrickung im Wesentlichen um eine homoerotische Liebe und deren dramatische Folgen. Ein einfühlsamer, wehmütiger Roman, der vor allem literarisch interessierten Lesern sehr gefallen wird.