Berlin im Herbst 1945: Claire, die Tochter des berühmten Schriftstellers und Nobelpreisträgers Francois Mauriac, großbürgerlich und katholisch aufgewachsen, hat sich als Rotkreuzschwester für Berlin gemeldet, um dort mit anderen jungen Menschen aller Nationen zu helfen, Vermisste zu suchen und verletzte Kriegsgefangene in ihre Heimat zurückzuschicken. Ihr Engagement zuerst in der Résistance, nun in Berlin, wird von der Familie, die sie lieber zu Hause verheiratet sähe, nicht wirklich ernst genommen. Aber Claire setzt sich durch. Die gemeinsamen Ideale der jungen Leute lassen sie ihre unterschiedliche soziale Herkunft vergessen, auch Claires berühmten Namen. Das zerstörte Berlin, das Elend und der Hunger der Bevölkerung werden mit erschütternder Deutlichkeit beschrieben, aber auch die guten Momente der Hilfstruppe, die enge Freundschaft und Zusammengehörigkeit. Claire lernt einen Offizier russischer Herkunft kennen und lieben; die beiden heiraten 1946; 1947 wird in Berlin ihre Tochter Anne Wiazemsky geboren. Anne hat aus dem Tagebuch ihrer Mutter, aus Briefen Claires an ihre Eltern und aus Erinnerungen von Zeitzeugen eine anrührende Liebesgeschichte im zerstörten Nachkriegs-Berlin geschrieben und ihrer Mutter ein Denkmal gesetzt. Für deutsche Leser sehr interessant ist die Tatsache, dass hier ausdrücklich die Leiden der deutschen Bevölkerung geschildert werden - ein in Frankreich bisher seltenes Phänomen. Ein herausragendes Buch, das poetisch und einfühlsam ein Frauenleben zwischen Tradition und Selbstbestimmung schildert. (Übers.: Grete Osterwald)
Ileana Beckmann
Aufgewachsen in Stuttgart und Rom; nach dem Abitur Studium der Komparatistik und Romanistik mit Magisterabschluss an den Universitäten Paris, Bonn und Yale. Verheiratet, 2 erwachsene Söhne. Neben dem Dasein als Hausfrau und Mutter Übersetzungen aus dem Französischen, Italienischen und Englischen für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft; Leiterin der KöB in Hagen-Dahl; Leitung verschiedener Literaturgesprächskreise, Dozentin (Literatur) der VHS und des Kath. Erwachsenenbildungswerks Lüdenscheid.
Zum Rezensieren (Belletristik für die Medienprofile und Romane und Hörbücher für den Ev. Buchberater) bin ich gekommen, um meine Leselust rechtfertigen und in der Hoffnung, andere mit meiner Begeisterung für gute Bücher anstecken zu können und davon zu überzeugen, dass gut ausgewählte Literatur ein Ratgeber und Helfer in manchen existenziellen Fragen ist.
Lieblingslektüre: französische Romane des 19.Jh., moderne franz. Autoren, Ian McEwan und John Irving, und schließlich neben dem Klassiker Thomas Mann die deutschsprachigen Autoren Martin Suter und Bernhard Schlink und Uwe Timm.