Die 42-jährige Kei, die gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer 15-jährigen Tochter in Tokio lebt, hat das unmotivierte Verschwinden ihres Mannes nicht überwunden. Obwohl sie sich bemüht, das vor zwölf Jahren Geschehene zu vergessen, wird sie in ihren Träumen mit Ängsten und Schuldgefühlen konfrontiert. Als eine rätselhafte, körperlich konturlos bleibende Frau wiederholt ihre Nähe sucht und sie zur Reise in ein Fischerdorf auffordert, fühlt sich Kei stark genug, um Fragen zu stellen. Hat sich Rei in eine andere verliebt? War er krank und ist gestorben? Oder lebt er, und die mysteriöse Frau wird sie zu ihm führen? Erst als Kei bereit ist, den Vater des Verschollenen aufzusuchen und sich vor Reis Totentafel zu verneigen, fühlt sie sich erleichtert und befreit. - Indem die metaphernreich schreibende japanische Schriftstellerin Hiromi Kawakami (Jahrgang 1958) Reales mit Magischem vereint, baut sie Dynamik und Spannung auf. Dass sie nicht nur die von der subtil porträtierten Ich-Erzählerin geleistete Erinnerungsarbeit beschreibt, sondern sich mit den zwischen Nähe und Distanz, Erinnern und Verdrängen, Liebe und Hass bestehenden Beziehungen auseinandersetzt, unterstreicht die inhaltliche Komplexität des einfühlsam übersetzten Romans. (Übers.: Ursula Gräfe, Kimiko Nakayama-Ziegler)