Einige Monate nach dem Mauerfall sichtet die Schriftstellerin Christa Wolf (Jahrgang 1929) die über sie geführten, mehr als 42 Bände füllenden Stasi-Akten. Dass sie als “feindlich-negativ” eingestuft wird, ist für sie aushaltbar, nicht aber die “Banalisierung” und “Gewöhnlichkeit, mit der diese Leute euer Leben ihrer Sichtweise anpassten”. Als ihr schließlich eine aus wenigen Seiten bestehende “Täterakte” übergeben wird, reagiert sie betroffen. “Wie hatte ich das vergessen können?” Mit dieser auf ihr lastenden Frage folgt sie im September 1992 einer Einladung des “Getty-Center for the History of Art and the Humanities” in Santa Monica. Die “geradewegs aus einem untergegangenen Staat” Ausgereiste wird von den Mitstipendiaten neugierig und freundlich aufgenommen. Erst als in einer Artikelüberschrift ihr Name im Zusammenhang mit der stigmatisierenden Bezeichnung “IM” erscheint, spürt sie misstrauische Blicke. Das von nun an in ihrem Kopf noch intensiver laufende “Erinnerungsband” befördert gravierende Ereignisse ihres mit der DDR verbundenen Lebens, deren schmerzhafte Bewusstmachung ihre Selbstverständigung erst möglich werden lässt. Durch ihr intensives, schonungslos offenes sowie magisches einbringendes Erzählen gelingt es Christa Wolf, die von ihr befürchtete “Selbstzerstörung” in die ersehnte “Selbsterlösung” zu verwandeln. Insofern setzt ihr emotional bewegender, substanzreicher, lesenswerter Bekenntnisroman Zeichen der Hoffnung auf ein von Menschlichkeit geprägtes Sein.