Der britische Autor Philip Kerr hat sich auch bei deutschen Krimifans mit seinen Romanen um den Ex-Polizisten Bernie Gunther (zuletzt: BP 08/350) einen Namen gemacht und wurde schon 1995 und 1997 mit dem Deutschen Krimipreises ausgezeichnet. Seine Spezialität - und das beweist sich auch im neuesten Roman - ist die raffinierte Kombination aus historischen Fakten und unterhaltsamer Fiktion. Der Kriminal-Oberkommissar Bernie Gunther hat nach der Machtergreifung durch die Nazis den Dienst quittiert und kam damit den politischen Säuberungen zuvor. Der leidenschaftliche Ermittler hat sich als Hotel-Detektiv im vornehmen Hotel Adlon am Brandenburger Tor verdingt und mischt sich dort wieder einmal zu oft ein. Er kommt üblen Machenschaften beim Bau der Anlagen für die Olympischen Sommerspiele 1936 auf die Spur und verliebt sich in eine amerikanische Schriftstellerin. - Wie gut Kerr im Detail recherchiert, zeigt sich bei seiner Schilderung der Verwicklung der unterfränkischen Natursteinindustrie in den Korruptionssumpf. Nur wenige Leser werden wissen, dass tatsächlich beim Berliner Olympiastadion Randersackerer Muschelkalk verbaut wurde. Die Spannung bleibt aber auch in diesem Roman bei aller Historie nicht auf der Strecke und auch der zweite Teil, der dann 1954 auf Kuba spielt, hält noch Überraschungen bereit. Auch ohne Kenntnis der anderen Bände der Berlin-Noir-Folge absolut empfehlenswerte Lektüre! (Übers.: Axel Merz)