Der erste Satz: “Als Ross Wakeman sich das erste Mal umbrachte, hatte er Erfolg, anders als beim zweiten oder dritten Mal”, ist ein echter Knaller - er weist direkt auf einen der Protagonisten, der seit dem Tod seiner Frau keinen Sinn mehr im Leben sieht. Nun, im Jahre 2001, arbeitet er als “Geisterjäger” und hofft, dadurch mit seiner Frau in Kontakt treten zu können. Er soll ein wertvolles Baugrundstück aus ehemaligem Indianereigentum auf Geister der Vorfahren prüfen, damit sie nicht später dort herumspuken und die neuen Eigentümer erschrecken. Die geheimnisvolle Geschichte der 1932 verstorbenen Eigentümerin des Grundstücks, Cecelia Pike, bildet einen zweiten Handlungsstrang. Cecelias Ehemann, Arzt und Spezialist für Eugenik, ist in den mysteriösen Tod seiner jungen Frau und seines neugeborenen Kindes verwickelt. - Jodi Picoult reißt in “Zeit der Gespenster” wieder viele aktuelle Themen an: Liebe über den Tod hinaus, paranormale Erscheinungen, Borderlinesyndrom, Präimplantationsdiagnostik und vor allem Eugenik, ein bisher verschwiegenes Thema in den USA. Das “Vermont Eugenics Project” hat es tatsächlich gegeben. Zu den Opfern des 1931 vom Staat Vermont erlassenen “Law for Human Betterment by Voluntary Sterilization” gehörten auch die Abenaki, eine Gruppe von Indianerstämmen. Nach einem etwas langatmigen Beginn mit vielen Geistererscheinungen nimmt die Spannung immer mehr zu. Dass Wakeman mehr als einen Selbstmordversuch unternommen hat, verdankt er übrigens den Ärzten, die ihn nach dem ersten Mal wiederbelebt haben. Ein gelungener Titel für Leser, die einfach gut unterhalten werden wollen. (Übers.: Ulrike Wasel u. Klaus Timmermann)
Ileana Beckmann
Aufgewachsen in Stuttgart und Rom; nach dem Abitur Studium der Komparatistik und Romanistik mit Magisterabschluss an den Universitäten Paris, Bonn und Yale. Verheiratet, 2 erwachsene Söhne. Neben dem Dasein als Hausfrau und Mutter Übersetzungen aus dem Französischen, Italienischen und Englischen für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft; Leiterin der KöB in Hagen-Dahl; Leitung verschiedener Literaturgesprächskreise, Dozentin (Literatur) der VHS und des Kath. Erwachsenenbildungswerks Lüdenscheid.
Zum Rezensieren (Belletristik für die Medienprofile und Romane und Hörbücher für den Ev. Buchberater) bin ich gekommen, um meine Leselust rechtfertigen und in der Hoffnung, andere mit meiner Begeisterung für gute Bücher anstecken zu können und davon zu überzeugen, dass gut ausgewählte Literatur ein Ratgeber und Helfer in manchen existenziellen Fragen ist.
Lieblingslektüre: französische Romane des 19.Jh., moderne franz. Autoren, Ian McEwan und John Irving, und schließlich neben dem Klassiker Thomas Mann die deutschsprachigen Autoren Martin Suter und Bernhard Schlink und Uwe Timm.