Die Frage nach dem Leid beschäftigt früher oder später wohl jeden Menschen, Ungläubige ebenso wie Gläubige. Der Dominikanerpater Johannes B. Brantschen hat sich als Theologieprofessor immer wieder mit dieser Frage beschäftigt. In diesem Buch fasst er sein lebenslanges Nachdenken dazu zusammen. Im ersten Teil diskutiert er verschiedene Erklärungsversuche: Leid als Strafe, als göttliche Medizin, als Preis der Freiheit. Doch alle diese Erklärungen befriedigen nicht, sie werfen im günstigsten Fall Schlaglichter auf das Problem, bleiben letztlich aber nur Fragmente. Da der Mensch gerade im Leiden aber eines festen Haltes bedarf, um nicht in einen bodenlosen Abgrund zu stürzen, weist Brantschen im zweiten Teil auf fünf “Griffe” hin, die es dem Menschen ermöglichen können, trotz des unbegreiflichen Leidens an Gott festzuhalten: die Erfahrung des Ijob, dass Gott in seiner Transzendenz dem Menschen letztlich unbegreiflich bleiben muss; die menschliche Grunderfahrung, dass es in jedem Leiden auch die Möglichkeit gibt, daran zu reifen; die Möglichkeit, im Leid durch den Trost anderer Zuwendung und Gemeinschaft zu erfahren; das Leiden als Kreuzesnachfolge anzunehmen; schließlich das klagende, ja sogar anklagende Gebet. Antworten auf die Frage nach Ursprung und Sinn des Leidens geben diese Hinweise allerdings auch nicht. Und sie können und sollen das auch nicht, wie der Autor im dritten und letzten Teil seines Buches betont. Das Zerstören menschlicher Antwortversuche schafft andererseits auch wieder Raum für die christliche Hoffnung, dass Gott zuletzt doch immer noch Möglichkeiten der Erlösung hat. Ostern ist deshalb als Fundament des christlichen Glaubens schlechthin unverzichtbar. Gerade in seinem ehrlichen Eingeständnis, die große Frage letztlich offenlassen zu müssen, kann dieses kompakte Büchlein für viele Leserinnen und Leser hilfreich sein. (Religiöses Buch des Monats November 2009)