In seinem konzentriert und dynamisch erzählten Familienroman benutzt der Autor Peter Henning (Jahrgang 1959) einen über Hessen tobenden Orkan als Unheil ankündigende Metapher. Wie aber kommt es zu den Turbulenzen, die das Leben der Familie Jansen kräftig durcheinanderwirbeln? Sind nicht verdrängte Probleme schuld, die sich nur allzu leicht hinter Lügen, Selbsttäuschung und Täuschungen verbergen lassen? Der primäre Grund für das Unvermögen, Konflikte zu erkennen und zu bewältigen, liegt in diffusen mitunter auch konkreten Ängsten, von denen die authentisch wirkenden Protagonisten beherrscht werden. Während sich der 60-jährige Helmut, Johanna Jansens ältester Sohn, kurzzeitig zur Angst bekennt, um rasch wieder die geübte Pose eines gefallsüchtigen Schwätzers einzunehmen, bangt seine Schwester Ulrike um die Existenz ihrer Ehe und damit zugleich um den Erhalt ihres gesellschaftlichen Status. Auch der 39-jährige Ben, Helmuts im Kinderheim aufgewachsener Sohn, leidet unter Ängsten, die sich zu Panikattacken ausweiten und ihn seiner Handlungsfähigkeit berauben. - Wenn der Autor zu Recht auf das zerstörerische Potential der Angst hinweist, rät er umso eindringlicher, sie anzunehmen und als produktive Kraft zu nutzen. Da dieses allgemein interessierende Thema in seiner literarischen Umsetzung dramaturgisch geschickt arrangiert ist, werden sich jene Leser angesprochen fühlen, die neben Detailgenauigkeit und Realitätsnähe auch Spannungsmomente schätzen.