Den Fortschrittsversprechungen von werbetreibender Wirtschaft und Politik bezüglich Internet, Digitalisierung und ortsungebundener Erreichbarkeit geht die Autorin nach. Selbst Jahrgang 1973, hat sie noch das Leben ohne Handy und Mails kennengelernt und stellt kritisch die Zusammenhänge u.a. im privaten Umfeld jedes Einzelnen, im Lernkontext von Schule, Universität und Beruf, in der Versorgung Alter und Kranker dar. Dieses sehr gut lesbare Buch kann zu einer sensibleren Haltung gegenüber dieser technischen Entwicklung verhelfen, wo diese auf gedankenlose Weise verabsolutiert wird. Leider trägt der lockere Schreibstil andererseits auch dazu bei, dass sich der Leser rasch mehr Tiefgang wünscht, der z.B. in Susanne Gaschkes Buch “Klick. Strategien gegen die digitale Verdummung” (Freiburg 2009) zu finden ist. Als Denk- und Gesprächsanstoß ist jedoch auch dieses Buch gut geeignet.
Rolf Pitsch
Nachhaltige Spuren in meiner Lesesozialisation stammen von der – in der erarbeiteten Freizeit – lesenden Mutter, einem – bei Krankheit – vorlesenden Onkel, der Pfarrbücherei und einer Einzelhandelskauffrau, bei der ich die ersten Bücher in unserem Moseldorf erstand. Journalistenausbildung und Studium (Germanistik, Publizistik, Buchwesen) mit einer Abschlussarbeit über Elias Canetti prägten den Blick auf Literatur und die biografischen Anteile von Autoren und Lesern am Verständnis der Werke. Literarische Trends, der besondere Stellenwert des Mediums Buch, die Spuren religiöser Fragestellungen, die optische Präsentation und die Sprache stehen in besonderer Weise im Mittelpunkt meines Lese- und Mediennutzungsinteresses.