Als Moritz Bauer zehn Jahre alt ist, stellt sich heraus, dass er durch eine Krankheit im Lauf weniger Jahre sein Augenlicht nahezu vollständig verlieren wird. Doch trotz fortschreitender Erblindung und katastrophaler familiärer Umstände - der Vater ist Alkoholiker, die Mutter psychisch krank - macht der musikalisch hochbegabte Moritz rasante Fortschritte auf dem Klavier. Als er seine wahre Leidenschaft entdeckt, das Cembalo, ertrotzt sich Moritz gegen manche Widerstände ein Cembalostudium - und hat Glück, dass gerade zu dieser Zeit ein Boom für Alte Musik einsetzt. Schon bald nach seinem Abschluss hat Moritz Bauer umjubelte Auftritte im In- und Ausland, ein begeisterter Mäzen vermittelt ihm obendrein private Konzerte bei der High Society. Beruflich höchst erfolgreich, findet der homosexuelle Moritz Bauer privat jedoch kein Glück, er hat zwar häufig wechselnde sexuelle Beziehungen, seine Liebe gilt jedoch tragischerweise immer heterosexuellen Männern. Als schließlich die Alte Musik wieder etwas aus der Mode kommt, erlebt er auch berufliche Abstürze, muss z.T. sogar für ihn künstlerisch beschämende Engagements eingehen. Trost findet er ungeachtet aller wechselhaften Lebensumstände immer wieder in der reinen Welt der Musik. - Die renommierte Autorin hat nach “Gottesdiener” (BP 04/884) wieder einen äußerst intelligenten und feinfühligen Roman geschrieben über das Schicksal eines Künstlers, dem zwischen dem hohen Anspruch der Kunst und der oft enttäuschend banalen Wirklichkeit ein tragischer Lebensweg beinahe zwangsläufig vorgezeichnet zu sein scheint. Beeindruckend vor allem, wie die Autorin die Musikwerke (insbesondere von J.S. Bach), die ihr sympathischer tragikomischer Held sich für sein Repertoire erarbeitet, mit großer musikalischer Kenntnis in sprachliche Begriffe und Beschreibungen zu übersetzen versteht. Ein beeindruckender Künstlerroman, der alle Musikfreunde begeistern wird.