Vom Standpunkt der Neurobiologie aus hinterfragt der Autor, Mediziner und Psychiater, eines der zentralen Dogmen des Darwinismus (nicht jeglicher Evolutionsbiologie): den Kampf um das Dasein, den die moderne Soziobiologie zu einem “Egoismus der Gene” erklärt hat. Dem hält Bauer im ersten Teil des Buches neueste Erkenntnisse aus der Hirnforschung entgegen, die zeigen, dass der Mensch von Anfang an viel eher auf Kooperation als auf Konfrontation hirnphysiologisch “programmiert” ist. Im zweiten Teil erweitert der Autor seine These auch auf die Ebene der Gene, die zu ihrer Vermehrung auf die “Mithilfe” zahlreicher Biomoleküle angewiesen sind und die durch “Kommunikation” mit ihrer Umwelt zu epigenetischen Veränderungen in der Lage sind. Schließlich skizziert Bauer die Auswirkungen, die ein verändertes biologisches Denken auf Gesellschaft und Erziehung haben könnte. - Das gut verständlich geschriebene Buch bietet auf knappem Raum sicher keine konsequent ausgearbeitete Theorie, jedoch einen sehr bedenkenswerten Ansatz, in der Biologie auch einmal nach neuen Wegen zu suchen. Es verdient in jedem Fall viele Leser.