Der französische Intellektuelle Jacques Attali, langjähriger Berater von Präsident Mitterand, porträtiert Blaise Pascal als “französisches Genie”, d.h. vor dem ausführlich dargestellten Hintergrund seiner Zeit und mit allen Facetten der Entwicklung des unglaublich vielseitigen Denkers. Breiten Raum nimmt die Schilderung der Leistungen des mathematischen Wunderkindes ein, die Abfassung der “Abhandlung über die Kegelschnitte” mit nur 16 Jahren, drei Jahre später die Erfindung einer Rechenmaschine. Es folgen die Jahre der physikalischen Experimente über den Luftdruck und das Vakuum, danach die Entwicklung der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Attali beleuchtet auch intensiv das enge Verhältnis von Blaise zu seiner jüngeren Schwester Jacqueline, stellt dabei psychoanalytische Spekulationen an und sieht in Jacquelines Religiosität den Grund für Pascals Hinwendung zu religiösen Themen. Ausführlich wird sein Eintreten für die Jansenisten im Streit gegen die Jesuiten mit den berühmten Provinzbriefen dargestellt. Im Vergleich zum Vorangegangenen kommen dann die “Pensées” und ihre Grundgedanken fast ein wenig zu kurz. Trotzdem: Als gut lesbare, umfangreiche Biographie durchaus schon ab mittleren Beständen zu empfehlen.