“Zimmer, Küche, Kabinett” hat Mama in ihrer Handtasche, Papa sagt, ihre Handtasche sei das “8. Weltwunder”, manche werden sagen: “ein ganzer Parfümerieladen”. Auf jeden Fall ist es wundervoll, welche Dinge alle darin Platz haben, die auch Kinder interessieren und die deren Fantasie anregen: Tierfutter, damit die Tiere versorgt werden können, Pflaster für eine Wunde, die man sich beim Fahrradsturz holt, ein Fotoapparat, ein ganzer Buchladen, damit Mama immer etwas zum Lesen hat - die Bewunderung des Mädchens aus dem Buch für seine Mama ist auf allen Seiten deutlich. Leicht altmodisch wirken die Bilder, gezeichnet mit pastelligen Farben auf einem Birken- oder Fichtenholzuntergrund, und genau diese Bilder passen wunderbar zu den fantastischen Vorstellungen des Kindes. (Sieben Hände kommen aus den Untiefen der Tasche und holen alle möglichen Köstlichkeiten für ein Picknick hervor.) Und die letzte der dargestellten Szenen? Man kennt das: “Nur, wenn meine Mama nicht findet, was sie sucht, wird es schwierig. Sie kramt und kramt, und schließlich dreht sie ihre Handtasche um. Und dann purzelt alles, alles, heraus ...” Und dann kann man wieder von vorne erzählen! Auch die unterschiedlichen Frauen mit ihren unterschiedlichen Handtaschen auf vorderem und hinterem Vorsatzblatt werden dazu einen Anlass geben können. - Ein liebenswertes Buch, das seinen Zauber erst langsam entfaltet. Büchereien mit großem Bilderbuchbestand sollten sich unbedingt drum kümmern!
Ulrike Erb-May, M.A
Studium der Germanistik, Theater-, Film-, Fernsehwissenschaft, Politologie. Ich arbeitete im elterlichen Verlag, als Buchhandelsangestellte, Lektorin und Erwachsenenbildnerin im Elementarbereich, bevor ich vor fast 15 Jahren als freie Referentin zur LAG Jugend und Literatur NRW e.V. kam. Schwerpunkte: Fortbildungen für Erzieherinnen und Büchereimitarbeiter, Schulung von Vorlesepaten, Mädchenfreizeiten, Vermittlung von Kinder- und Jugendliteratur. Seit März 2007 leite ich zusammen mit Andrea Weitkamp das Kinder- und Jugendliteraturzentrum NRW.
Seit 2004 Unterrichtstätigkeit an der Fachschule für Sozialwesen in Prüm (Erzieherausbildung).
Ich bin Jahrgang 1955, kam mit James Krüss zum Lesen und erlebte Fernsehen mit dem „Hasen Cäsar“. Meine erste Tochter liebte „Die fliegende Windmühle“, die ich sieben Mal vorlesen musste; meine zweite Tochter versuchte mich nach wiederholter Lektüre von „Madita“ dazu zu bringen, die Teppiche auf den Stangen genauso zu klopfen wie es in Lindgrens Welt die guten Hausfrauen taten… Unsere Geschmäcker trafen sich später bei Steinhöfels „Die Mitte der Welt“.
Heute begeistern mich gut gestaltete und getextete Bilderbücher, realistische Jugendromane, witzige Kinderromane und in letzter Zeit sogar die Fantasy, die ich lange gemieden habe.
Für den Borromäusverein rezensiere ich seit drei Jahren hauptsächlich Bilderbücher. Mich interessiert die Herausforderung, auch Bücher zu rezensieren, die ich mir nicht selbst ausgesucht habe. Die Routine, die man im Laufe der Zeit bekommt, die Vielfalt, die man kennen lernt und dann das Wieder-Lesen der fast schon vergessenen Zeilen in den „Buchprofilen“ – das alles macht Freude.