Die schottische Autorin Louise Welsh landete in Deutschland mit ihrem Erstling “Dunkelkammer” (2006, in BP nicht bespr.) gleich einen großen Publikumserfolg. Dr. Murray Watson, der Held ihres neuesten Romans, ist Dozent für englische Literatur und pendelt für seine Recherchen über den jung verstorbenen Lyriker Archie Lunan zwischen Glasgow und Edinburgh. Er stochert recht ziellos in dem wenigen Material herum, das sich in Bibliotheken und Archiven findet. Er sucht Kontakt zu Personen, die persönliche Erinnerungen an Lunan haben, weil er über Leben und Werk des Dichters schreiben will. Lunan lebte in den siebziger Jahren mit viel Alkohol und Drogen ein Hippiedasein auf der Insel Lismore an der Westküste Schottlands und verstarb, als er sich in einer Nussschale auf die raue See hinauswagte. - Der Roman dümpelt über viele Seiten so dahin wie Watsons akademische Arbeit und nimmt erst im letzten Drittel richtig Fahrt auf, als sich Watson entschließt, vor Ort auf der einsamen Insel nach Spuren von Lunan zu suchen und dessen frühere Lebensgefährtin Christie dort zu treffen. (Übers.: Wolfgang Müller)