Mätressen gelten herkömmlich als skandalumwittert, attraktiv und machtbesessen. Autor Jürgen Walter aber eröffnet mit seinem Porträt der bedeutendsten Mätressen an deutschen Höfen im 17., 18. und beginnenden 19. Jh. einen ganz neuen Blick auf diese aufsehenerregenden Frauen, die gegen die Norm ihrer Zeit lebten. Das gesellschaftliche Ansehen einer Mätresse rangierte an deutschen Fürstenhöfen zwischen offizieller Anerkennung, Ausgrenzung und fragwürdiger Akzeptanz, ihr Schicksal war allein abhängig von der Gunst des Geliebten, einer hoch stehenden adligen Person. Verlor die Mätresse ihre Anziehungskraft, endete diese “Beziehung auf Zeit” und es drohte ihr der Verlust von Privilegien, Reichtum, Besitz und der zu erwartenden Pensionen. Deshalb war es für jede Mätresse unabdingbar, sich schon frühzeitig um ihre finanzielle Absicherung zu kümmern. Die Verlockung von Pracht und Macht, so betont Walter, sind nicht der alleinige Grund für das Streben nach Reichtum und Einfluss, sondern überlebensnotwendig. Facettenreich belegt der Autor seine These, dass Mätressen die interessanteren Frauen seien, da sie so viel mehr sein mussten als die standesgemäß angetrauten Gattinnen. Am Beispiel von Wilhelmine Encke (Mätresse von König Friedrich Wilhelm II. von Preußen), Caroline Jagemann (Mätresse von Großherzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach) oder Sybille von Neitschütz (Mätresse von Kurfürst Johann Georg IV. von Sachsen) porträtiert er außergewöhnlich schöne, begabte, intelligente und starke Frauen, die sich dem gesellschaftlichen Rollenklischee widersetzten, die ihre Gegner und Neider ertrugen und ihre eigenen Interessen verteidigten. Befreit von moralischen Verurteilungen vergangener Jahrhunderte erkennen wir in ihnen ehrgeizige und tüchtige Frauen, die mit ihren Stärken und Schwächen noch heute faszinieren. - Allen historisch interessierten Lesern wärmstens zu empfehlen.