Die Kriege auf dem Territorium des ehemaligen Jugoslawien liegen nunmehr fast zwei Jahrzehnte zurück. Aber immer noch sind die damals den Menschen zugefügten Wunden nicht verheilt. Auch in den Romanen von Miljenko Jergovic sind sie immer präsent. In “Freelander”, seinem neuen Roman, schildert der kroatische Autor einen pensionierten Lehrer aus Zagreb, der aufgebrochen ist, um in Sarajewo an der Eröffnung eines Nachlasskontos seines verstorbenen Onkels teilzunehmen. Und während dieser Fahrt wird der Protagonist des Romans nach und nach immer mehr in eine Konfrontation mit den katastrophalen Folgen der Gemetzel in den 90er Jahren konfrontiert, mit den Zerstörungen der Landschaft, aber auch der zwischenmenschlichen Beziehungen. Jergovic konfrontiert die Leser mit einer aus den Fugen geratenen Zivilisation, in der es aber auch neben Gewalt und Zerstörung immer noch einen surrealen, “balkanischen” Witz gibt. Jergovic gehört heute zu den wichtigsten post-jugoslawischen Autoren, der einer traumatisierten Region mit seiner temporeichen, an Phantasie oft überbordenden Sprache ihre Stimme zurückgibt. Seine Romane sind inzwischen in die wichtigsten Weltsprachen übersetzt worden. (Übers.: Brigitte Döbert)
Carl Wilhelm Macke
Geboren 1950 in Cloppenburg (Oldenburger Münsterland). Studiert in Hamburg und Hannover Pädagogik und Politische Wissenschaften, aber in Ermangelung des ‘pädagogischen Eros’ habe ich mich immer mehr für das Schreiben interessiert. Lebe seit nunmehr über 20 Jahren in München und seit gut zehn Jahren auch zeitweise im italienischen Ferrara. Verheiratet mit einer Allgäuerin.
Für den St. Michaelsbund schreibe ich seit vielen Jahren Buchrezensionen, vornehmlich über neuere italienische und ‘mitteleuropäische’ Literatur. Mein ganz besonderes Interesse gilt aber - seit der ersten Lektüre der Psalmen - der Poesie in allen Epochen bis hin zur modernen Lyrik unserer Tage. Und neben der Arbeit als freier Journalist arbeite ich seit vielen Jahren als Geschäftsführer des Vereins “Journalisten helfen Journalisten”, der sich nach der Ermordung eines SZ-Korrespondenten am Beginn der Kriege auf dem Balkan Anfang der neunziger Jahre gebildet hat. Dass mich zu diesem Engagement ganz besonders auch die theologischen Arbeiten von Johann Baptist Metz motiviert haben, will ich nicht verschweigen.