Ende September 2002 fliegt der österreichische Schriftsteller Heinrich Freudensprung nach Kairo, um seinen einstigen Freund und jetzigen Feind, den ägyptischen Maschinenbauingenieur Zacharias Sarani, zu treffen. Wie konnte es geschehen, dass sich ihre seit Jahrzehnten bestehende vertrauensvolle Beziehung in einen zerstörerischen Hass verwandelt hat? In alternierenden Kapiteln sprechen beide von Intrigen und Verrat und stellen sich vor, wie sie den anderen empfangen und bestrafen werden. Doch es kommt anders. Denn die Freude, sich wiederzusehen, die Lust, Meinungen auszutauschen und sich an Gemeinsames zu erinnern, ist stärker als ihr Hass. Und als sich die vermeintlichen Intrigen wie auch der angenommene Verrat für David, Saranis Sohn, als Verkettung glückbringender Zufälle erweisen, dürfen die aneinander Leidenden auf Erlösung hoffen. - Dass Michael Scharang (Jahrgang 1941) in seinem empfehlenswerten, dynamisch und sprachmelodisch sowie leicht ironisch erzählten Roman mehr als die Sinnesverwirrung zweier Intellektueller thematisiert, belegen deren intensive religionsphilosophische und gesellschaftspolitische Gespräche. Aus der darin enthaltenen Kapitalismuskritik spricht der in Wien lebende Autor, der zur Auseinandersetzung mit den Ansichten seiner differenziert charakterisierten Protagonisten anregt. Lesenswert.