Lucy und Harry Caines sind über 70 und im Ruhestand; ihr Sohn Jewel ist verheiratet und hat einen 18-jährigen Sohn. Als Harry einen Schlaganfall erleidet, ändert sich plötzlich das Leben der Familie. Die Handlung spielt 1969 und 1970 mit Rückblenden in die Vergangenheit, beginnend mit der historisch belegten Explosion eines Munitionsschiffes in Halifax 1917, seit der die kleine Tochter Helena verschwunden ist, Jewel geboren wurde und Harry ein Auge verlor. Lucy sieht in Erinnerungsblitzen diesen Albtraum immer wieder vor ihren Augen. Auch die Jahre ihrer Ehe tauchen auf, während sie hilflos am Krankenbett ihres Mannes sitzt und Entscheidungen treffen muss, die sie überfordern. Sie erinnert sich an ihre Beziehungsprobleme, kann den Verlust des Kindes nicht verwinden; Sehnsüchte und Ängste quälen sie, sie lebt mehr in der Vergangenheit als in der Gegenwart. Als Harry aus dem Koma erwacht ist und nach Hause entlassen wird, gerät sie in Panik, statt glücklich zu sein. “Tag und Nacht vermischen sich zu einem düsteren Brei aus Füttern, Waschen, Pflege”. Zugleich freut sich Lucy über die Fortschritte, die Harry macht, sie kümmert sich fast zu intensiv um ihn. Die Familie kommt sich wieder näher. Die Beschreibung der Gefühle und Ängste Lucys, ihrer zwiespältigen Empfindungen, sind detailliert und sehr intensiv dargestellt. Ein ruhiger, intensiver Eheroman, der stark berührt und den Leser über das Leben nachdenken lässt. (Übers.: Gregor Hens)
Ileana Beckmann
Aufgewachsen in Stuttgart und Rom; nach dem Abitur Studium der Komparatistik und Romanistik mit Magisterabschluss an den Universitäten Paris, Bonn und Yale. Verheiratet, 2 erwachsene Söhne. Neben dem Dasein als Hausfrau und Mutter Übersetzungen aus dem Französischen, Italienischen und Englischen für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft; Leiterin der KöB in Hagen-Dahl; Leitung verschiedener Literaturgesprächskreise, Dozentin (Literatur) der VHS und des Kath. Erwachsenenbildungswerks Lüdenscheid.
Zum Rezensieren (Belletristik für die Medienprofile und Romane und Hörbücher für den Ev. Buchberater) bin ich gekommen, um meine Leselust rechtfertigen und in der Hoffnung, andere mit meiner Begeisterung für gute Bücher anstecken zu können und davon zu überzeugen, dass gut ausgewählte Literatur ein Ratgeber und Helfer in manchen existenziellen Fragen ist.
Lieblingslektüre: französische Romane des 19.Jh., moderne franz. Autoren, Ian McEwan und John Irving, und schließlich neben dem Klassiker Thomas Mann die deutschsprachigen Autoren Martin Suter und Bernhard Schlink und Uwe Timm.