In welche Schublade soll man die Gedichte von SAID stecken? Tief geprägt ist er sicherlich von der großen persischen Lyrik-Tradition. Aber ohne die deutsche Poesie, besonders Hölderlin und die von den Nazis ins Exil vertriebenen Schriftsteller, ist das literarische Werk von SAID auch nicht denkbar. Ein großes Echo haben seine “Psalmen” bekommen, mit denen ein erklärter Nicht-Christ Ur-Texte des jüdisch-christlichen Glaubens in die heutige Sprache übersetzt hat. Spürbar ist auch immer wieder sein Bezug auf Ideen der politischen unruhigen 60er Jahre in Deutschland, aber seinen Gedichten haftet keine einzige Spur von “Propaganda” und Welterlösung an. Am besten, man unterlässt jeden Versuch der Etikettierung seiner Gedichte und liest sie ganz einfach. “die reise begann / wir ließen alles liegen / die narben / und das gedächtnis / doch der tod ist ein zuverlässiger botschafter / und das exil erst / macht uns reif zum sterben” (für fariborz riahy). Eine Reihe der hier veröffentlichten Gedichte hat SAID Personen gewidmet, die für viele Leser wahrscheinlich unbekannt sind. Vielleicht hätte man sich da einige kurze erläuternde Anmerkungen gewünscht. Aber ist das Wissen um die konkreten Personen letztlich wichtig, denen ein Autor seine Gedichte widmet? Gute Gedichte lassen immer Fragen offen, bergen immer Geheimnisse. - Für alle Lyrikinteressenten zu empfehlen.
Carl Wilhelm Macke
Geboren 1950 in Cloppenburg (Oldenburger Münsterland). Studiert in Hamburg und Hannover Pädagogik und Politische Wissenschaften, aber in Ermangelung des ‘pädagogischen Eros’ habe ich mich immer mehr für das Schreiben interessiert. Lebe seit nunmehr über 20 Jahren in München und seit gut zehn Jahren auch zeitweise im italienischen Ferrara. Verheiratet mit einer Allgäuerin.
Für den St. Michaelsbund schreibe ich seit vielen Jahren Buchrezensionen, vornehmlich über neuere italienische und ‘mitteleuropäische’ Literatur. Mein ganz besonderes Interesse gilt aber - seit der ersten Lektüre der Psalmen - der Poesie in allen Epochen bis hin zur modernen Lyrik unserer Tage. Und neben der Arbeit als freier Journalist arbeite ich seit vielen Jahren als Geschäftsführer des Vereins “Journalisten helfen Journalisten”, der sich nach der Ermordung eines SZ-Korrespondenten am Beginn der Kriege auf dem Balkan Anfang der neunziger Jahre gebildet hat. Dass mich zu diesem Engagement ganz besonders auch die theologischen Arbeiten von Johann Baptist Metz motiviert haben, will ich nicht verschweigen.