Wenn der erfolgreiche Gegenwartsdramatiker Moritz Rinke (* 1967) seinen episodenreichen, durch bizarre Einfälle charakterisierten Debütroman u.a. dem “alten Weltdorf” widmet, ist sein Geburtsort Worpswede gemeint. In der “am Rande des Teufelsmoors” gelegenen Künstlerkolonie ist auch Rinkes Protagonist Paul aufgewachsen, der sich in Berlin als Galerist versucht. Als er von seiner auf Lanzarote ein “Bewusstseinsstudio” führenden Mutter erfährt, beider Erbe drohe im Moor zu versinken, reist der 35-Jährige unverzüglich in den Norden. Weil ihm sein Großvater nicht nur ein Haus, sondern auch einen Park mit selbst geschaffenen Skulpturen hinterlassen hat, obliegt es Paul, bronzene Persönlichkeiten wie Luther, Nietzsche, Rilke, Willy Brandt in Sicherheit zu bringen. Da während der erfolglosen Haussanierung zwei überlebensgroße Figuren im Moor gefunden werden, die Reichsminister des NS-Regimes darstellen, entsteht bezüglich der Entsorgung hektische Betriebsamkeit. Obwohl Paul versucht, das Geschehen distanziert zu betrachten, wird er von widersprüchlichen Empfindungen überrascht, die mit Erlebnissen aus seiner Kindheit zusammenhängen. Dass die Begegnung mit der eigenen Vergangenheit zur Konfrontation mit bislang verdrängten Konflikten führen kann, verdeutlicht Rinke in seinen z.T. ironischen, Fiktives mit Realem verbindenden Geschichten, die in ihrer Gesamtheit einen in sich geschlossenen, unterhaltsamen Roman ergeben. Lesenswert.