Tommys einziger Vertrauter ist sein MP3-Player. Er dient ihm als eine Art akustisches Tagebuch, mit dem er die Gespräche der Erwachsenen aufnimmt, insbesondere die seines Vaters Juan und seiner geliebten Stiefmutter Alma, und seine Gedanken ausspricht. Der sensible und hochbegabte Junge, durch eine Herzerkrankung im Wachstum zurückgeblieben und gebrechlich, hat nur einen einzigen, fiktiven Freund. Voller Angst spürt er die wachsende Entfremdung zwischen Juan und Alma. Als er erfährt, dass seine Mutter psychische Probleme hatte und Selbstmord beging, forscht er nach, macht sich auf die Suche nach Menschen, die ihm Auskunft geben, und findet ihr Grab. - Die chilenische Autorin erzählt in der Ichform, kapitelweise kommen abwechselnd Tommy, Alma und Juan zu Wort. Das verleiht dem Roman seinen besonderen Reiz, weil die Ereignisse aus unterschiedlicher Sicht und Gefühlslage beleuchtet werden. Durch die Rückblicke der drei Protagonisten enthüllt Guelfenbein Schritt für Schritt eine Familiengeschichte, die zu Herzen geht und zu denken gibt. (Übers.: Svenja Becker)
Ileana Beckmann
Aufgewachsen in Stuttgart und Rom; nach dem Abitur Studium der Komparatistik und Romanistik mit Magisterabschluss an den Universitäten Paris, Bonn und Yale. Verheiratet, 2 erwachsene Söhne. Neben dem Dasein als Hausfrau und Mutter Übersetzungen aus dem Französischen, Italienischen und Englischen für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft; Leiterin der KöB in Hagen-Dahl; Leitung verschiedener Literaturgesprächskreise, Dozentin (Literatur) der VHS und des Kath. Erwachsenenbildungswerks Lüdenscheid.
Zum Rezensieren (Belletristik für die Medienprofile und Romane und Hörbücher für den Ev. Buchberater) bin ich gekommen, um meine Leselust rechtfertigen und in der Hoffnung, andere mit meiner Begeisterung für gute Bücher anstecken zu können und davon zu überzeugen, dass gut ausgewählte Literatur ein Ratgeber und Helfer in manchen existenziellen Fragen ist.
Lieblingslektüre: französische Romane des 19.Jh., moderne franz. Autoren, Ian McEwan und John Irving, und schließlich neben dem Klassiker Thomas Mann die deutschsprachigen Autoren Martin Suter und Bernhard Schlink und Uwe Timm.