Welch eine Perspektive für eine Selbstreflexion! Coetzee, inzwischen in Australien lebender südafrikanischer Autor und Literaturnobelpreisträger (2003), lässt nach seinem Tod einen jungen englischen Autor fünf für sein Leben relevante Menschen interviewen, zumeist Frauen. Der behandelte Zeitraum umfasst die Jahre von 1972 bis 1977, als Coetzee, gerade dreißigjährig, aus den USA in sein Heimatland Südafrika zurückkehrt. Die Heimkehr gestaltet sich schwierig, zumal er mit seiner Absicht, Schriftsteller zu werden, Befremden auslöst. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Lehrer an der Universität Kapstadt, privat zieht er mit seinem kränkelnden Vater zusammen. Diese Fakten ergeben sich erst allmählich aus den Interviews, die sein Biograf mit den Frauen führt, die damals in seinem Leben einen Platz hatten. Es treten auf die verheiratete Nachbarin, die durch die Affäre mit ihm ihre Ehe bereichert, seine Lieblingscousine aus Kindertagen, Margot, die als einzige des weitverzweigten Familienclans an seine schriftstellerischen Fähigkeiten glaubt, oder, als einziger Mann, Martin, ein Lehrerkollege, der auf die berufliche Laufbahn Coetzees blickt. Sie alle geben tiefe Einblicke in das Innenleben eines Mannes, der damals auf dem Weg war, ein großer Schriftsteller und brillanter Analyst der politischen Situation seines Heimatlandes zu werden. Für größere Bestände! (Übers.: Reinhild Böhnke)
Beate Mainka
Jahrgang 1961. Da ich bereits vor der Schule den Büchern verfallen war, war die Ausbildung zur Diplom-Bibliothekarin eine logische Konsequenz. Danach arbeitete ich 13 Jahre als Buchhändlerin in Bonn und Freiburg bis zur Geburt meiner beiden Kinder.
Seit 1999 leite ich ehrenamtlich eine KÖB im ländlichen Westfalen, seit 2002 bin ich Rezensentin für die Buchprofile in den Bereichen Belletristik sowie Kinder- und Jugendliteratur, die schon im Buchhandel zu meinen Schwerpunkten zählten. Ebenso rezensiere ich für die ekz und seit 2008 für das Titel-Magazin im Internet mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur. Journalistische Arbeiten für die BiblioTheke und die Mitarbeit an verschiedenen Publikationen des Borromäusvereins zur Leseförderung ergänzen mein freiberufliches Pensum.
Wenn ich mal ausnahmsweise nicht lese oder schreibe, durchpflüge ich schwimmend jede Art von Gewässer, verreise gerne mit meiner Familie und liebe es, mich im Theater oder Kino gepflegt unterhalten zu lassen.