Das Problem der sozialen Gerechtigkeit wird in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert. Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, die Folgen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, provozierende Aussagen mancher Politiker und extrem gierige Manager lassen die Frage immer dringlicher werden, ob die bisher so erfolgreiche Soziale Marktwirtschaft auch in Zukunft bestehen kann und wird. Dieses Buch beschreibt in einigen Bereichen wie Arbeitsmarkt, Gesundheitswesen, Pflege, Erziehung und Bildung u.a. die Probleme und Risiken von Armut in den Industrieländern, teilweise anhand von Beispielen (v.a. aus Österreich und Deutschland), und zeigt jeweils in eigenen Abschnitten Lösungsmöglichkeiten auf. Nun ist das Thema eines gerechten Ausgleichs zwischen Arm und Reich schwierig und kompliziert - und hier liegt auch eine gewisse Schwäche des Buches: Die Frage nach der Eigenverantwortung und -initiative des Einzelnen bleibt etwa weithin ausgeklammert. Besonders deutlich wird dies im Kapitel über Bildungschancen und Erziehung, wo kaum von Motivation bzw. Engagement der Kinder und Jugendlichen und des Elternhauses, aber viel von Maximalforderungen an den Staat die Rede ist. Auch Pauschalaussagen wie “hohe Bildung garantiert hohes Einkommen” sind hier wenig hilfreich. Mit dieser Einschränkung ein (trotz einiger Anflüge von Soziologenchinesisch) gut lesbarer und durchaus nützlicher Diskussionsbeitrag zu einem brisanten Thema.