Der 1909 in Prag geborene, Ende des 2. Weltkriegs nach England emigrierte Intellektuelle Josef Kramer zieht eine vorläufige Lebensbilanz. Indem er sich mit seinen “Lehr- und Wanderjahren” auseinandersetzt, gewinnt er die Erkenntnis, dass sich der Einzelne nur in einer sittlich-moralisch handelnden Gemeinschaft verwirklichen kann. Bis er zu dieser Einsicht gelangt, führt ihn seine “Pilgerfahrt” über zehn von H.G. Adler (1910 bis 1988) “Bilder” genannte Stationen, die den jeweiligen Entwicklungsstand Josefs widerspiegeln. Dem in kleinbürgerlichem Milieu Aufwachsenden erscheint die Welt als bedrohlich und monströs (“Die Familie”). Als er mit elf Jahren aufs Land geschickt wird, genießt er eine Zeit fast unbeschwerter Freiheit (“In Umlowitz”). Während des sich anschließenden Aufenthalts im Dresdner Freimaurerinstitut muss er Regeln einhalten, die seinen Widerspruch herausfordern (“Der Kasten”). Von nun an hinterfragt er vermittelte Werte und denkt über den Sinn des Lebens nach (“Burg Landstein”, “Das Turmzimmer”, “Der Hofmeister”). Nach dem von Adler als Burleske angelegten Besuch beim chaotischen Professor Rumpler (“Das Kulturhaus”) führt der rhythmisch-dynamisch sowie kontrastreich schreibende Autor seinen Protagonisten zur Zwangsarbeit an die böhmisch-mährische Grenze (“Am Bau der Eisenbahn”) und lässt ihn 1944 im KZ Auschwitz das Schicksal der “Verlorenen” teilen (“Lager Langenstein”). - H.G. Adler, der die Hölle Auschwitz selbst erlebte, hat für deren dokumentarische Beschreibung eine ungewohnte Wortbildungen enthaltende Sprache gefunden. Dass die mit Panoramaausschnitten vergleichbaren “Bilder” in ihrer Gesamtheit einen in sich geschlossenen Roman ergeben, resultiert u.a. aus der durchgängigen Präsenz Josefs, dessen literarisch umgesetzte Lebensreise als anspruchsvolle Lektüre zu empfehlen ist.