24.02.2012

Spurensuche

Wer sind sie, die Helden der Nachhaltigkeit? Was müssen die Figuren in den Geschichten heute tun, um die Welt zu retten? Kann man angesichts der überall herrschenden Unübersichtlichkeit der Verhältnisse überhaupt noch handeln, literarisch oder real? Welche Impulse gibt ein christlicher Schöpfungsglaube? Und kann so ein sachliches und eher abstraktes Thema überhaupt spannend aufbereitet werden und literarisch ankommen? [mehr]

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Eine Frau und ein Mann begegnen sich in einem Wellnesshotel. Sie möchte ein neues Videoprojekt realisieren, er sucht nach einem Weg aus der Schreibblockade. Beide haben unruhige Zeiten und manches Unbearbeitete und Nichtverdaute im Lebensgepäck. Durch wechselseitiges Beäugen, Begleiten in Gedanken ... weiter

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Panorama

Der 1909 in Prag geborene, Ende des 2. Weltkriegs nach England emigrierte Intellektuelle Josef Kramer zieht eine vorläufige Lebensbilanz. Indem er sich mit seinen “Lehr- und Wanderjahren” auseinandersetzt, gewinnt er die Erkenntnis, dass sich der Einzelne nur in einer sittlich-moralisch handelnden Gemeinschaft verwirklichen kann. Bis er zu dieser Einsicht gelangt, führt ihn seine “Pilgerfahrt” über zehn von H.G. Adler (1910 bis 1988) “Bilder” genannte Stationen, die den jeweiligen Entwicklungsstand Josefs widerspiegeln. Dem in kleinbürgerlichem Milieu Aufwachsenden erscheint die Welt als bedrohlich und monströs (“Die Familie”). Als er mit elf Jahren aufs Land geschickt wird, genießt er eine Zeit fast unbeschwerter Freiheit (“In Umlowitz”). Während des sich anschließenden Aufenthalts im Dresdner Freimaurerinstitut muss er Regeln einhalten, die seinen Widerspruch herausfordern (“Der Kasten”). Von nun an hinterfragt er vermittelte Werte und denkt über den Sinn des Lebens nach (“Burg Landstein”, “Das Turmzimmer”, “Der Hofmeister”). Nach dem von Adler als Burleske angelegten Besuch beim chaotischen Professor Rumpler (“Das Kulturhaus”) führt der rhythmisch-dynamisch sowie kontrastreich schreibende Autor seinen Protagonisten zur Zwangsarbeit an die böhmisch-mährische Grenze (“Am Bau der Eisenbahn”) und lässt ihn 1944 im KZ Auschwitz das Schicksal der “Verlorenen” teilen (“Lager Langenstein”). - H.G. Adler, der die Hölle Auschwitz selbst erlebte, hat für deren dokumentarische Beschreibung eine ungewohnte Wortbildungen enthaltende Sprache gefunden. Dass die mit Panoramaausschnitten vergleichbaren “Bilder” in ihrer Gesamtheit einen in sich geschlossenen Roman ergeben, resultiert u.a. aus der durchgängigen Präsenz Josefs, dessen literarisch umgesetzte Lebensreise als anspruchsvolle Lektüre zu empfehlen ist.

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Kirsten Sturm

Rezensentin des Sankt Michaelsbundes, München

 

Panorama

von Hans G. Adler
ZSOLNAY(2010)
Hardcover
Roman. Nachw. v. Jeremy Adler ISBN-10: 3552054898 ISBN-13: 9783552054899 MedienNr.: 326778 27.90 €
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