Die Ich-Erzählerin geht nicht gerne auf Reisen, ja fürchtet sich davor. Am liebsten würde sie “im Bett verreisen”. Doch als ein alter Freund aus Sarajevo unter schweren Depressionen leidet, beschließt sie, ihn zu besuchen. Sie fühlt sich auf dem Balkan inzwischen als Ausländerin, betrachtet die Dinge von außen. Während sie in Sarajevo Freunde ihres Freundes Mirsad trifft und - erst nach der Hälfte der Erzählung - Mirsad selbst, erinnert sie sich an ihre Kindheit, den Geschmack der Speisen. Daneben erweist sie sich als scharfe Beobachterin und beschreibt die Neidgefühle, Betrügereien, Minderwertigkeitskomplexe, die die Menschen auf dem Balkan beherrschen, ihren Größenwahn und ihren Hass auf Ausgereiste. Vorpsis Beobachtungen und Bemerkungen über die Menschen des Balkans sind amüsant und unsentimental, ihre Sprache poetisch. Ein literarisches Kleinod, sehr empfohlen! (Übers.: Karin Krieger)
Ileana Beckmann
Aufgewachsen in Stuttgart und Rom; nach dem Abitur Studium der Komparatistik und Romanistik mit Magisterabschluss an den Universitäten Paris, Bonn und Yale. Verheiratet, 2 erwachsene Söhne. Neben dem Dasein als Hausfrau und Mutter Übersetzungen aus dem Französischen, Italienischen und Englischen für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft; Leiterin der KöB in Hagen-Dahl; Leitung verschiedener Literaturgesprächskreise, Dozentin (Literatur) der VHS und des Kath. Erwachsenenbildungswerks Lüdenscheid.
Zum Rezensieren (Belletristik für die Medienprofile und Romane und Hörbücher für den Ev. Buchberater) bin ich gekommen, um meine Leselust rechtfertigen und in der Hoffnung, andere mit meiner Begeisterung für gute Bücher anstecken zu können und davon zu überzeugen, dass gut ausgewählte Literatur ein Ratgeber und Helfer in manchen existenziellen Fragen ist.
Lieblingslektüre: französische Romane des 19.Jh., moderne franz. Autoren, Ian McEwan und John Irving, und schließlich neben dem Klassiker Thomas Mann die deutschsprachigen Autoren Martin Suter und Bernhard Schlink und Uwe Timm.