Man nimmt diesen wie gewohnt in eleganter Nüchternheit gestalteten Band aus der “Edition Lyrik Kabinett” zur Hand, liest einige Gedichte und sucht nach Angaben über den Übersetzer. Drei Gedichte sind in italienischer Sprache verfasst, aber nicht übersetzt. Eine mangelhafte Sorgfalt des Verlages? Eine große Irritation folgt über die sprachliche Identität des Autors. Geboren wurde er tief unten im Süden Italiens, aber seit über 30 Jahren lebt er nun schon in Deutschland. Mit diesen kurzen biographischen Angaben sind wir bereits inmitten des Lebensthemas von Gino Chiellino, der nicht nur mit seiner Lyrik, sondern auch mit vielen didaktischen Veröffentlichungen versucht, die Identität eines zwischen verschiedenen Sprachkulturen hin- und hergetriebenen Menschen in Worte zu fassen. Seine Mutter war eine Weberin und sie hat ihm mit ihrem geduldigen Handwerk das Einfädeln von neuen Worten in seine Sprache, das Weben zwischen verschiedenen Sprachen gelehrt. “Als Fremder hatte ich mich in die deutschsprachige Lyrik der 70er Jahre nur durch die Stille des inneren Monologes einweben können”. Längst hat der Autor die Grenzen traditioneller “Emigranten-Lyrik” überwunden und sucht nach einem “neuen, befreiten Wir” einer gemeinsamen Zugehörigkeit all derer, die in der deutschen Sprache leben. Und mit einer Zeile aus einem Gedicht gesagt: “Zum Verbleiben gebeten, offenbare ich mich/ mit einem Lebenslauf als Gastgeschenk”.
Carl Wilhelm Macke
Geboren 1950 in Cloppenburg (Oldenburger Münsterland). Studiert in Hamburg und Hannover Pädagogik und Politische Wissenschaften, aber in Ermangelung des ‘pädagogischen Eros’ habe ich mich immer mehr für das Schreiben interessiert. Lebe seit nunmehr über 20 Jahren in München und seit gut zehn Jahren auch zeitweise im italienischen Ferrara. Verheiratet mit einer Allgäuerin.
Für den St. Michaelsbund schreibe ich seit vielen Jahren Buchrezensionen, vornehmlich über neuere italienische und ‘mitteleuropäische’ Literatur. Mein ganz besonderes Interesse gilt aber - seit der ersten Lektüre der Psalmen - der Poesie in allen Epochen bis hin zur modernen Lyrik unserer Tage. Und neben der Arbeit als freier Journalist arbeite ich seit vielen Jahren als Geschäftsführer des Vereins “Journalisten helfen Journalisten”, der sich nach der Ermordung eines SZ-Korrespondenten am Beginn der Kriege auf dem Balkan Anfang der neunziger Jahre gebildet hat. Dass mich zu diesem Engagement ganz besonders auch die theologischen Arbeiten von Johann Baptist Metz motiviert haben, will ich nicht verschweigen.