Sollte sein Vater, ein angesehener Rechtsanwalt und Rhetorikprofessor, in den 40er Jahren tatsächlich seinen Freund verraten haben? Kommt sein jahrelanges Schweigen einem Schuldbekenntnis gleich? Dem 30-jährigen Gabriel Santoro stellen sich Fragen, die ihm die 1938 mit ihren Eltern eingewanderte Sara Guterman, eine Jugendfreundin seines Vaters, beantworten wird. Aus gemeinsamen Gesprächen formt der als Journalist tätige Gabriel das Porträt einer deutsch-jüdischen Familie, deren “Hotel Nueva Europa” europäischen Emigranten während des Zweiten Weltkrieges als Anlaufpunkt diente. Hat er als Nachgeborener das Recht, Vergangenes publik zu machen? Ist es andererseits nicht seine Pflicht, Geschehenes vor dem Vergessen zu bewahren? - Der bilderreiche, anspruchsvoll strukturierte Roman spricht moralische Probleme an, die u.a. mit dem Thema einer nicht vergebenen Schuld zusammenhängen. Da der magische Erzählelemente verwendende Autor (Jahrgang 1973) seine Protagonisten vor einem historisch authentischen Hintergrund agieren lässt, übernimmt er die Rolle des Chronisten, der sich mit der jüngsten Geschichte Kolumbiens kritisch auseinandersetzt. Lesenswert. (Übers.: Susanne Lange)