Der Titel, unter dem die von Hanna Lemke (Jahrgang 1981) lakonisch und pointiert erzählten, magische Elemente enthaltenden Stories zusammengefasst sind, versteht sich als Antithese. Denn “Gesichertes” erweist sich als Zufälliges und Vorläufiges, das lediglich lose Bekanntschaften, nicht aber dauerhafte Beziehungen vorsieht. Wie Georg und Stella gehören auch die als Protagonistinnen agierenden Ich-Erzählerinnen jenen Mittzwanzigern an, die ihr Studium bzw. ihre Ausbildung abgebrochen haben, Gelegenheitsjobs annehmen und als Großstadtnomaden unterwegs sind. Obwohl sie sich nach Geborgenheit sehnen, zeigen sie ein ausgeprägtes Distanzverhalten. Holm z.B., der sich demonstrativ zurückzieht, als eine Nachbarin zaghaft versucht, ihn näher kennenzulernen (“Eingeladen”). Auch Libbets, die vorübergehend bei einer Bekannten Quartier bezogen hat, igelt sich ein und sorgt umso mehr für Irritationen, als sie des Öfteren beklagt, die Orientierung verloren zu haben. Wenn sich die kurzzeitig um Libbets sorgende Ich-Erzählerin in dem Zusammenhang fragt, ob “wir nicht irgendwie alle allein da draußen” sind, drückt dieser bange Gedanke ein die Kurzprosa dominierendes Grundgefühl aus. Durch die sich mitteilende Beunruhigung regen die lesenswerten Stories an, sich vorurteilsfrei mit den Problemen einer Sinn suchenden Generation auseinanderzusetzen.