Doug Fanning arbeitet für “Union Atlantic”, eine frühere Privatbank, die zu einem der vier größten Finanzkonzerne des Landes geworden ist. Er hat sich eine Luxus-Villa in einem Vorort Bostons bauen lassen. So leer wie in seinem Haus sieht es auch in Dougs Leben aus: niemand und nichts, wofür es sich zu leben lohnt. Seine Beteiligung an den Ereignissen 1988 im Iran-Irak-Krieg an Bord eines US-Kreuzers, der ein iranisches Passagierflugzeug abschoss, geht ihm noch nach, doch hat er diese Regungen mit Arroganz zugeschüttet. Er empfindet nur Verachtung für Menschen; dies zeigt sich insbesondere in seinem Verhältnis zu dem siebzehnjährigen Nate, der ihn bewundert, dessen Verliebtheit ihn abstößt, mit dem er aber dennoch Sex hat. Nate gehört zu einer Gruppe von Jugendlichen, die sich mit Drogen zudröhnt und auf Sinnsuche ist. Dougs Gegenspielerin ist seine Nachbarin Charlotte Graves, Geschichtslehrerin im Ruhestand mit leicht fanatischer Freude an Predigten über die Lehren der Vergangenheit. Die widerspenstige alte Dame lebt mit ihren Hunden in einem alten Haus, das ihrer Familie einst als Feriensitz diente. Sie verteidigt das Revier ihrer Kindheit, eine Bastion der alten Welt, mit Zähnen und Klauen. Beide sind Einsame, der eine lebt in der Gegenwart, die andere in der Vergangenheit. Der Roman spielt 2002 in Boston und wurde kurz vor der großen Bankenkrise fertig gestellt: die Realität hat hier die Fiktion überholt. Leser, die sich für die Anfälligkeit des internationalen Finanzsystems interessieren, werden hier gut unterhalten. (Übers.: Uda Strätling)
Ileana Beckmann
Aufgewachsen in Stuttgart und Rom; nach dem Abitur Studium der Komparatistik und Romanistik mit Magisterabschluss an den Universitäten Paris, Bonn und Yale. Verheiratet, 2 erwachsene Söhne. Neben dem Dasein als Hausfrau und Mutter Übersetzungen aus dem Französischen, Italienischen und Englischen für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft; Leiterin der KöB in Hagen-Dahl; Leitung verschiedener Literaturgesprächskreise, Dozentin (Literatur) der VHS und des Kath. Erwachsenenbildungswerks Lüdenscheid.
Zum Rezensieren (Belletristik für die Medienprofile und Romane und Hörbücher für den Ev. Buchberater) bin ich gekommen, um meine Leselust rechtfertigen und in der Hoffnung, andere mit meiner Begeisterung für gute Bücher anstecken zu können und davon zu überzeugen, dass gut ausgewählte Literatur ein Ratgeber und Helfer in manchen existenziellen Fragen ist.
Lieblingslektüre: französische Romane des 19.Jh., moderne franz. Autoren, Ian McEwan und John Irving, und schließlich neben dem Klassiker Thomas Mann die deutschsprachigen Autoren Martin Suter und Bernhard Schlink und Uwe Timm.