Die Anzahl der Bücher, die seit der Wiedervereinigung über die ehemalige DDR erschienen sind, ist unüberschaubar. Es wäre schade, wenn das Buch von Ines Geipel und Andreas Petersen in der Masse untergeht, denn es hat eine besondere Beachtung verdient. Mit den Porträts von 33 Einzelpersonen und Familien werden Schicksale erzählt, die so oder so ähnlich vielen DDR-Bürgern widerfuhren. Enteignungen wie die von Franz Ittling waren an der Tagesordnung. Jugendliche und Studenten, die versuchten, Widerstand zu leisten, wurden in den ersten Jahren von sowjetischen Militärtribunalen im Durchschnitt für 25 Jahre in den Gulag geschickt. Ein Beispiel dafür die Geschichte von Dietrich Schopen, dem Sohn eines Pfarrers in Blücher, der mit 18 Jahren für ein Vierteljahrhundert ins Lager Taischet nach Sibirien geschickt wurde. Man erlebt tiefsten Antisemitismus an dem überzeugten Kommunisten Bruno Goldhammer, der schikaniert und eingesperrt wurde. Dass der DDR-Geheimdienst mindestens 700 Menschen aus dem Westen in die DDR entführte, zeigt die Erzählung über Susanne und Bruno Krüger. Die Autoren lassen kein Stichwort aus, ob es sich um Zwangskollektivierung, den 17. Juni, die Zeugen Jehovas, die Tunnelflucht, oder auch das berüchtigte Zuchthaus Bautzen handelt, immer gibt es Personen, die mit ihrer Geschichte aufzeigen, was für ein menschenverachtendes System die DDR-Regierung aufgebaut hatte. - Die erzählten Geschichten bringen die Leser, die das System nicht miterleben mussten, sicher zum Nachdenken, ob die vielen so vorschnell gefassten Beurteilungen der “Ossis” nicht von Grund auf falsch sind. Das Buch ist ein großartiges Lesebuch zu einem wichtigen Teil deutscher Geschichte.