In den 60er Jahren gehörte Stefan Andres zu den angesehensten Schriftstellern deutscher Sprache, die ihr Werk vor allem dem “Sehnsuchtsland Italien” widmeten. Damals erschien eine ganze Reihe von Erzählungen, mit denen man in der Tradition Goethes, Seumes, der Gebrüder Mann u.a. italienische Lebensart und Kultur kennenlernen konnte. Nach längerem Vergessen gibt es seit einiger Zeit wieder eine Wiederentdeckung von Stefan Andres. Eine Auswahl der Italien, besonders der traumhaften Küste südlich von Neapel, gewidmeten Erzählungen sind jetzt neu und in einer sehr schön gestalten Ausgabe neu aufgelegt worden. Ganz besonders hervorzuheben ist auch das umfangreiche Nachwort des Herausgebers Dieter Richter, der auch die wenig bekannte Emigration deutschsprachiger Schriftsteller an die amalfitanische Küste während der nazistischen Jahre ausführlich würdigt. In den Erzählungen von Stefan Andres wird der Leser mit einem Italien konfrontiert, das es in dieser literarisch präsentierten Form heute nicht mehr gibt. Aber es hat es einmal gegeben und Stefan Andres hat diesem verschwundenen Italien eines der schönsten literarischen Denkmäler in deutscher Sprache gewidmet. Eine wunderbare Wiederentdeckung!
Carl Wilhelm Macke
Geboren 1950 in Cloppenburg (Oldenburger Münsterland). Studiert in Hamburg und Hannover Pädagogik und Politische Wissenschaften, aber in Ermangelung des ‘pädagogischen Eros’ habe ich mich immer mehr für das Schreiben interessiert. Lebe seit nunmehr über 20 Jahren in München und seit gut zehn Jahren auch zeitweise im italienischen Ferrara. Verheiratet mit einer Allgäuerin.
Für den St. Michaelsbund schreibe ich seit vielen Jahren Buchrezensionen, vornehmlich über neuere italienische und ‘mitteleuropäische’ Literatur. Mein ganz besonderes Interesse gilt aber - seit der ersten Lektüre der Psalmen - der Poesie in allen Epochen bis hin zur modernen Lyrik unserer Tage. Und neben der Arbeit als freier Journalist arbeite ich seit vielen Jahren als Geschäftsführer des Vereins “Journalisten helfen Journalisten”, der sich nach der Ermordung eines SZ-Korrespondenten am Beginn der Kriege auf dem Balkan Anfang der neunziger Jahre gebildet hat. Dass mich zu diesem Engagement ganz besonders auch die theologischen Arbeiten von Johann Baptist Metz motiviert haben, will ich nicht verschweigen.