Es gibt deutschsprachige Schriftsteller, deren Veröffentlichungen auf gleichbleibend hohem Niveau nur von wenigen Liebhabern oder Literaturexperten zur Kenntnis genommen werden. Zu ihnen gehörte der 1939 in Berlin geborene und 2003 in Brannenburg am Inn verstorbene Rainer Malkowski. Man kann seine Poesie keiner Schule, keiner literarischen Richtung, keiner Gruppe zuordnen. Und die Etikettenlosigkeit erleichtert es dem Leser auch, sich einfach auf seine Gedichte einzulassen. Egal wo man diese Gesamtausgabe in einem Band auch aufschlägt, sofort stößt man auf ein Gedicht, das wenigstens für eine kurze Zeit unser eintöniges Alltagsdenken unterbricht: “Notiz im November// Schlechte Tage,/ an denen man in den Lexika blättert/ - erstaunt/ über die Fülle der Welt.” Verhaltene Neugierde, milde Lakonie, stille Melancholie ist in vielen Gedichten anzutreffen, nie aber Weltpessimismus, nie eine laute Klage, aber auch nie spektakulärer Protest. Einverständnis mit der Welt, so wie sie ist? Wer will, kann diese Gedichte so interpretieren, aber was wäre mit diesem Urteil gewonnen? Etiketten klebt man auf Marmeladengläser, aber nicht auf Bände von Gedichten, die man immer und immer wieder liest, weil man hier auf Verse, auf Formulieren stößt, von denen man einfach nicht mehr loskommt. “Neid//Von allen Versprechern,/ die ich je hörte,/ gefällt mir am besten:/ Herr XY sei/ an den Folgen/ einer Verwunderung gestorben/ Ach, mein dumpfes Leben.” Die Gedichte von Rainer Malkowski veralten nie, brennen immer auf kleiner Flamme - aber sie brennen.
Carl Wilhelm Macke
Geboren 1950 in Cloppenburg (Oldenburger Münsterland). Studiert in Hamburg und Hannover Pädagogik und Politische Wissenschaften, aber in Ermangelung des ‘pädagogischen Eros’ habe ich mich immer mehr für das Schreiben interessiert. Lebe seit nunmehr über 20 Jahren in München und seit gut zehn Jahren auch zeitweise im italienischen Ferrara. Verheiratet mit einer Allgäuerin.
Für den St. Michaelsbund schreibe ich seit vielen Jahren Buchrezensionen, vornehmlich über neuere italienische und ‘mitteleuropäische’ Literatur. Mein ganz besonderes Interesse gilt aber - seit der ersten Lektüre der Psalmen - der Poesie in allen Epochen bis hin zur modernen Lyrik unserer Tage. Und neben der Arbeit als freier Journalist arbeite ich seit vielen Jahren als Geschäftsführer des Vereins “Journalisten helfen Journalisten”, der sich nach der Ermordung eines SZ-Korrespondenten am Beginn der Kriege auf dem Balkan Anfang der neunziger Jahre gebildet hat. Dass mich zu diesem Engagement ganz besonders auch die theologischen Arbeiten von Johann Baptist Metz motiviert haben, will ich nicht verschweigen.