Auf ihren Bestseller “Schattenhochzeit” (BP 03/1150) lässt die griechische Schriftstellerin Ioanna Karystiani (Jahrgang 1952) einen Roman folgen, der wiederum tief beeindruckt und emotional bewegt. Im Mittelpunkt der dramatisch aufgeladenen Handlung steht der 75-jährige Kapitän Dimitris Avgustis, für den die Dünung des Meeres den Rhythmus des Lebens bestimmt. Trotz seiner vor zehn Jahren beginnenden Erblindung, die er vor der Mannschaft mit Geschick und unter großem Kraftaufwand verborgen hält, führt er den Frachter “Athos III” wie ein Sehender. Von den Seeleuten respektiert und verehrt, steht ihm die eigene Familie fast feindselig gegenüber. Denn zwölf Jahre ist er der Heimat fern geblieben; Jahre, in denen auch Litsa, seine große Liebe, unter der Trennung gelitten hat. Die Erblindung Dimitris zu entdecken, überlässt die Autorin dessen Ehefrau. Um den Starrköpfigen zum freiwilligen Verlassen des Schiffes zu bewegen, heuert sein Sohn unter falschem Namen an. Aus der jahrelangen Ablehnung entwickelt sich Vertrautheit, die es dem 23-Jährigen erleichtert, die eigene Identität preiszugeben. Wenn Dimitris am Arm des Sohnes von der “Athos III” Abschied nimmt und sich zu Litsa begleiten lässt, findet das in kraftvoller, bilderreicher Sprache Erzählte ein harmonisches Ende. Die darin zum Ausdruck gebrachte Zuversicht, dass Liebe und Zuneigung den Menschen verändern, dominiert den Roman mit dem sich die griechische Autorin erneut in die Herzen ihrer Leser schreibt. (Übers.: Michaela Prinzinger)