Zwei Häftlinge tauschen während einer Aufführung der Landesbühne die Rollen mit den Schauspielern, brechen zusammen mit einigen anderen Häftlingen im Theaterbus aus und integrieren sich für kurze Zeit ins bürgerliche Leben einer Kleinstadt. Der Ich-Erzähler Clemens, ein Literaturprofessor, der seine Studentinnen nach erotischen Gunstbeweisen besonders erfolgreich durchs Examen geleitet hat, hält in der von ihm gegründeten Volkshochschule Vorträge. Hannes, der mit einer Polizeikelle bei Autofahrern Bußgelder abkassiert hat, gründet ein Heimatmuseum. Es sind keine Schwerverbrecher, die hier ausbrechen, sondern kleine, naive Betrüger, Menschen, die ihre wiedererlangte Freiheit genießen. Nach einer unbestimmten Zeit ist der Spuk vorbei, die Häftlinge kehren ins Gefängnis zurück, und Hannes lernt bei einem erneuten Besuch der Landesbühne in der Haftanstalt Becketts “Warten auf Godot” schätzen. Einen weiteren Ausbruchsversuch lehnt Hannes ab: er will den Professor nicht allein zurücklassen. Not schweißt zusammen und lässt eine Männerfreundschaft entstehen. Als tragendes Motiv ist dies selbst für eine so kurze Erzählung ziemlich dürftig. Auch die Figuren wecken im Leser keine Emotionen. Die Erzählung ist leicht und routiniert, ohne Höhepunkte, aber für Lenz-Fans sicher lesenswert.
Ileana Beckmann
Aufgewachsen in Stuttgart und Rom; nach dem Abitur Studium der Komparatistik und Romanistik mit Magisterabschluss an den Universitäten Paris, Bonn und Yale. Verheiratet, 2 erwachsene Söhne. Neben dem Dasein als Hausfrau und Mutter Übersetzungen aus dem Französischen, Italienischen und Englischen für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft; Leiterin der KöB in Hagen-Dahl; Leitung verschiedener Literaturgesprächskreise, Dozentin (Literatur) der VHS und des Kath. Erwachsenenbildungswerks Lüdenscheid.
Zum Rezensieren (Belletristik für die Medienprofile und Romane und Hörbücher für den Ev. Buchberater) bin ich gekommen, um meine Leselust rechtfertigen und in der Hoffnung, andere mit meiner Begeisterung für gute Bücher anstecken zu können und davon zu überzeugen, dass gut ausgewählte Literatur ein Ratgeber und Helfer in manchen existenziellen Fragen ist.
Lieblingslektüre: französische Romane des 19.Jh., moderne franz. Autoren, Ian McEwan und John Irving, und schließlich neben dem Klassiker Thomas Mann die deutschsprachigen Autoren Martin Suter und Bernhard Schlink und Uwe Timm.