Nach Ungaretti, Montale, Saba hat es im deutschen Sprachraum nur sehr wenige Übersetzungen moderner italienischer Lyrik gegeben. Sehr zu begrüßen ist es deshalb, dass in die inzwischen renommierte Edition des Münchner Lyrik-Kabinetts beim Hanser-Verlag jetzt eine Auswahl von Gedichten der in Umbrien geborenen Patrizia Cavalli aufgenommen worden ist. Das den Band einleitende Gedicht ist ebenso kurz wie programmatisch. Es müsste eigentlich jedem Band moderner Lyrik vorangestellt werden: “Jemand sagte mir/ sicher werden meine Gedichte/ die Welt nicht verändern.// Aber sicher, antworte ich,/ meine Gedichte werden/ die Welt nicht verändern.” Dieser Gedichtband wird die Welt nicht verändern, vielleicht aber wird er die Lesenden des Bandes irritieren und verunsichern. Manche Gedichte erscheinen, jedenfalls beim ersten, flüchtigen Lesen unseren Denkgewohnheiten vollkommen entgegengesetzt: “Bald landen wir alle in der Hölle./ Im Moment aber/ ist der Sommer gerade vorbei./ Auf, in die Salons!/ Los, in die Salons! In die Salons!” Ohne das Vorwort des Übersetzers Piero Salabè und ein Nachwort des Philosophen Giorgio Agamben würden sich viele der hier versammelten Gedichte den Lesern nur schwer erschließen. Aber gute und lange nachhallende Gedichte müssen verstören, Fragen aufwerfen, zum wiederholten Lesen zwingen. Wer sich auf diese Prämisse einlässt, wird hier eine große Auswahl guter Gedichte finden. (Übers.: Piero Salabè)
Carl Wilhelm Macke
Geboren 1950 in Cloppenburg (Oldenburger Münsterland). Studiert in Hamburg und Hannover Pädagogik und Politische Wissenschaften, aber in Ermangelung des ‘pädagogischen Eros’ habe ich mich immer mehr für das Schreiben interessiert. Lebe seit nunmehr über 20 Jahren in München und seit gut zehn Jahren auch zeitweise im italienischen Ferrara. Verheiratet mit einer Allgäuerin.
Für den St. Michaelsbund schreibe ich seit vielen Jahren Buchrezensionen, vornehmlich über neuere italienische und ‘mitteleuropäische’ Literatur. Mein ganz besonderes Interesse gilt aber - seit der ersten Lektüre der Psalmen - der Poesie in allen Epochen bis hin zur modernen Lyrik unserer Tage. Und neben der Arbeit als freier Journalist arbeite ich seit vielen Jahren als Geschäftsführer des Vereins “Journalisten helfen Journalisten”, der sich nach der Ermordung eines SZ-Korrespondenten am Beginn der Kriege auf dem Balkan Anfang der neunziger Jahre gebildet hat. Dass mich zu diesem Engagement ganz besonders auch die theologischen Arbeiten von Johann Baptist Metz motiviert haben, will ich nicht verschweigen.