Zu den spannendsten, verantwortlichsten, aber auch gefährlichsten Arbeitsfeldern eines Journalisten gehört die Reportage aus Kriegsgebieten. Jährlich werden unzählige Journalisten getötet oder verschleppt, die vor Ort über Kriege und Gewalt berichten. Sie begeben sich mit nur wenigen Hilfsmitteln in eine Weltregion, in der ein Kriegszustand herrscht, und müssen dann für eine Zeitung oder eine Fernsehanstalt über die Ereignisse berichten. Von diesen Korrespondentenberichten hängt dann auch ab, wie der jeweilige Konfliktherd “zu Hause” beurteilt wird. Wie nur wenige verfügt die österreichische Journalistin Antonia Rados über einen großen Fundus an Erfahrungen, den sie in diesem Band in der Form von Vorlesungen und in einem Gespräch mit Studenten präsentiert. Sie korrigiert weit verbreitete Vorstellungen über einen “Helden-Journalismus” direkt vorne an der Front des Geschehens, zeigt aber auch ganz pragmatisch, auf was man in Kriegsreportagen achten muss, um nicht von den verschiedenen Interessen und Parteien instrumentalisiert zu werden. Allen normalen Medienkonsumenten kann das Buch genauso empfohlen werden wie jungen Journalisten, die auch einmal so wie “die Rados” an den aufregendsten Ecken der Welt arbeiten möchten. Desillusionierend ist die Lektüre für beide Lesegruppen - und das ist auch gut so.
Carl Wilhelm Macke
Geboren 1950 in Cloppenburg (Oldenburger Münsterland). Studiert in Hamburg und Hannover Pädagogik und Politische Wissenschaften, aber in Ermangelung des ‘pädagogischen Eros’ habe ich mich immer mehr für das Schreiben interessiert. Lebe seit nunmehr über 20 Jahren in München und seit gut zehn Jahren auch zeitweise im italienischen Ferrara. Verheiratet mit einer Allgäuerin.
Für den St. Michaelsbund schreibe ich seit vielen Jahren Buchrezensionen, vornehmlich über neuere italienische und ‘mitteleuropäische’ Literatur. Mein ganz besonderes Interesse gilt aber - seit der ersten Lektüre der Psalmen - der Poesie in allen Epochen bis hin zur modernen Lyrik unserer Tage. Und neben der Arbeit als freier Journalist arbeite ich seit vielen Jahren als Geschäftsführer des Vereins “Journalisten helfen Journalisten”, der sich nach der Ermordung eines SZ-Korrespondenten am Beginn der Kriege auf dem Balkan Anfang der neunziger Jahre gebildet hat. Dass mich zu diesem Engagement ganz besonders auch die theologischen Arbeiten von Johann Baptist Metz motiviert haben, will ich nicht verschweigen.