Wir haben uns an die Nachrichten von Schiffsunglücken mit vielen Flüchtlingen aus Afrika an den Küsten des Mittelmeeres gewöhnt. Unsere Aufmerksamkeit gegenüber diesem anhaltenden Flüchtlingselend scheint vollkommen abgestumpft. Der italienische Journalist Fabrizio Gatti hat einmal die unglaubliche Mühe auf sich genommen, einen Flüchtlingstreck von Westafrika über Zentralafrika durch die Wüste nach Libyen und dann über das Meer bis an die süditalienische Küste zu begleiten. Leiten lässt er sich dabei von einer ganz zentralen Frage: Wann gab es für die Flüchtlinge, die er antraf, “kein Zurück mehr, wo war die Scheidelinie zwischen dem Vorher und dem Nachher, was ist geschehen in dem Moment, als sie beschlossen fortzugehen?” Der Autor trifft auf erbarmungswürdige Menschen, die wirklich nichts mehr zu verlieren haben als die Kleidung am Körper. Aber wir erfahren auch, wie sehr dieser Flüchtlingstransfer bereits zu einem gnadenlosen Geschäft geworden ist bis hin zu den neuen “Sklavenhaltern” auf den Tomatenfeldern oder in der Straßenprostitution in Italien. Die Lektüre des Buches hinterlässt einen Schock, von dem aber nur zu hoffen ist, dass wir wenigstens aufmerksamer hinhören, wenn in den Nachrichten von untergegangenen Flüchtlingsbooten auf dem Mittelmeer berichtet wird. - Ein wichtiges Buch, für das der Autor auch schon journalistische Preise erhalten hat.
Carl Wilhelm Macke
Geboren 1950 in Cloppenburg (Oldenburger Münsterland). Studiert in Hamburg und Hannover Pädagogik und Politische Wissenschaften, aber in Ermangelung des ‘pädagogischen Eros’ habe ich mich immer mehr für das Schreiben interessiert. Lebe seit nunmehr über 20 Jahren in München und seit gut zehn Jahren auch zeitweise im italienischen Ferrara. Verheiratet mit einer Allgäuerin.
Für den St. Michaelsbund schreibe ich seit vielen Jahren Buchrezensionen, vornehmlich über neuere italienische und ‘mitteleuropäische’ Literatur. Mein ganz besonderes Interesse gilt aber - seit der ersten Lektüre der Psalmen - der Poesie in allen Epochen bis hin zur modernen Lyrik unserer Tage. Und neben der Arbeit als freier Journalist arbeite ich seit vielen Jahren als Geschäftsführer des Vereins “Journalisten helfen Journalisten”, der sich nach der Ermordung eines SZ-Korrespondenten am Beginn der Kriege auf dem Balkan Anfang der neunziger Jahre gebildet hat. Dass mich zu diesem Engagement ganz besonders auch die theologischen Arbeiten von Johann Baptist Metz motiviert haben, will ich nicht verschweigen.