Nach dem großen Erfolg von “Der weiße Tiger” (BP 08/813), der im letzten Jahr mit dem Booker Prize ausgezeichnet wurde, erscheint nun ein Buch, das in Geschichten, die an sieben aufeinanderfolgenden Tagen spielen, die aktuellen gesellschaftlichen Probleme Indiens schildert, auch wenn die Handlung in der Zeit zwischen den Attentaten auf Indira und Rajiv Gandhi (1984 und 1991) angesiedelt ist. In einer südindischen Stadt, die dem gesamtindischen Kosmos gleicht, treten die religiösen, sozialen und kulturellen Widersprüche krass zutage, wobei Adigas Protagonisten auf der Seite der Unterdrückten und Unzufriedenen zu finden sind, die an althergebrachten Missständen wie Korruption, Ausbeutung, religiösem Hass und Klassenschranken scheitern. Hautnah erfährt man die Verzweiflung der einfachen Menschen, die - egal was sie unternehmen - immer die Verlierer sein werden. - Ein ebenso abstoßendes wie aufschlussreiches Bild indischer Wirklichkeit, mit viel Einfühlungsvermögen und schwarzem Humor brillant geschrieben. Sehr empfehlenswert. (Übers.: Klaus Modick)