Giles Doughty, Meteorologe, zuständig für den Wetterbericht der BBC, hat gleichzeitig Affären mit drei verschiedenen Frauen. Am meisten denkt er aber an eine vierte: Stella, seine Jugendfreundin, die auf mysteriöse Weise verschwand, als Giles sechzehn Jahre alt war. Jahrzehnte später wird sie in einer Bar gesehen. Giles folgt ihren Spuren nach Kent und wird dort in einem Hotel von dem historischen Sturm von 1987 überrascht. Die Beschreibung des Orkans, den Giles mit Hilfe von zwölf Gin Tonic, verabreicht von einem herrlich exzentrischen Barkeeper, in Gesellschaft von drei betrunkenen Hühnern(!)überlebt, ist ein schriftstellerisches Glanzstück. Sein inneres Drama entfaltet sich parallel zum Unwetter. Er setzt sich intensiv mit seiner Jugend und den damaligen Ereignissen und mit seinen eigenen Verdrängungsmechanismen auseinander. Im Verlauf der Geschichte wird aus einem unsympathischen Zyniker ein fürsorglicher Mensch. Viel Sex, Skurriles und Zeitgeschichtliches verbunden mit Kindheitserinnerungen und typisch britischem Sarkasmus: diese Mischung ist beeindruckend und für Leser anspruchsvoller Unterhaltung gut geeignet.
Ileana Beckmann
Aufgewachsen in Stuttgart und Rom; nach dem Abitur Studium der Komparatistik und Romanistik mit Magisterabschluss an den Universitäten Paris, Bonn und Yale. Verheiratet, 2 erwachsene Söhne. Neben dem Dasein als Hausfrau und Mutter Übersetzungen aus dem Französischen, Italienischen und Englischen für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft; Leiterin der KöB in Hagen-Dahl; Leitung verschiedener Literaturgesprächskreise, Dozentin (Literatur) der VHS und des Kath. Erwachsenenbildungswerks Lüdenscheid.
Zum Rezensieren (Belletristik für die Medienprofile und Romane und Hörbücher für den Ev. Buchberater) bin ich gekommen, um meine Leselust rechtfertigen und in der Hoffnung, andere mit meiner Begeisterung für gute Bücher anstecken zu können und davon zu überzeugen, dass gut ausgewählte Literatur ein Ratgeber und Helfer in manchen existenziellen Fragen ist.
Lieblingslektüre: französische Romane des 19.Jh., moderne franz. Autoren, Ian McEwan und John Irving, und schließlich neben dem Klassiker Thomas Mann die deutschsprachigen Autoren Martin Suter und Bernhard Schlink und Uwe Timm.