Sophie von Sand hat ein bewegtes Leben hinter sich: 1900 geboren hat sie, auf Rügen lebend, alle Höhen und Tiefen der deutschen Geschichte erlebt. Als sich ihr ältester Sohn Franz zum ersten Mal seit 1961 aus dem Westen meldet, ahnt sie nichts Gutes. Tatsächlich versucht er, das Familiengut Distelitz im erwachenden Immobilienboom wirtschaftlich auszuschlachten, angefeuert von einer umfangreichen, schmarotzerhaften Verwandtschaft. Zum Jahrtausendwechsel 2000 fällt schließlich die Entscheidung. Wenn das westdeutsche “Personal”, allen voran der fast karikaturistisch überzeichnete Besserwessi Franz, auch insgesamt deutlich schlechter wegkommt, so ist dies dennoch kein ostalgisches Buch. Die Sympathie gilt der Insel Rügen und allen Menschen, die als Besucher oder Bewohner einen naturbezogenen, sinn-gesättigten Alltag leben, allen voran den lebenstüchtigen Matriarchinnen des Von-Sand-Clans. Profitgierige “Heuschrecken” bilden das unsympathische Gegenbild. Handlungsarm, in einem breiten, ruhigen, fast assoziativen Erzählstrom wird eine bewegende Familiengeschichte in wechselhaftem historischen Kontext dargeboten. Ein in gutem Sinne nostalgisches, fesselndes Buch.