Der Antiheld in Barbara Vines (alias Ruth Rendell) neuestem Roman ist Ivor Tesham, junger Unterhausabgeordneter und aufgehender Stern am Polit-Himmel in der Ära von Premierministerin Margaret Thatcher. Öffentlich ist der attraktive Ivor ganz der konservative Gentleman, privat lebt er seine sexuellen Vorlieben mit seiner verheirateten Geliebten Hebe ungeniert aus. Als diese bei einer inszenierten Entführung aus Anlass ihres Geburtstags ums Leben kommt, verwickelt sich Tesham in ein Gespinst aus Schuldgefühlen und Angst vor dem Skandal. Über Jahre begleitet ihn diese unselige Affäre, während er bis zum Ministeramt aufsteigt und ihn schließlich die Vergangenheit doch noch einholt. Vine lässt die komplizierte und von vielen Zufällen lebende Geschichte von Teshams Schwager erzählen. Jane Atherton, die Hebe einst das Alibi gab für die geheimen Stelldicheins mit dem Politiker, ist die zweite, kontrapunktische Erzählstimme. Der Roman zeichnet ein Sittenbild der britischen Gesellschaft in den 90er Jahren, welche geprägt ist von der Doppelmoral der Oberschicht. Gepflegte Unterhaltungslektüre. (Übers.: Renate Orth-Guttmann)