Seit “Die besten Beerdigungen der Welt” (s. BP 07/147) ist das Autorenteam bekannt für seine gelungenen, selbstbewussten, und dabei doch sehr kindlichen Helden. In diesem Bilderbuch geht es um das Abenteuer Leben, das manchmal ganz schön hart mit Kindern umgeht. Papa und Mama sind plötzlich nicht zu Hause, als der Ich-Erzähler aus dem Kindergarten kommt. “Das war sehr traurig. Ich war noch nicht einmal sechs Jahre alt und schon ganz allein auf der Welt.” - Doch halt, da ist ja noch der kleine Bruder, dem darf man die eigene Angst nicht zeigen, und für den sollte “alles so sein wie früher”. Mit ungläubigem Erstaunen verfolgen nun die Leser, wie der Ältere sich auf die Situation alleine zu sein einstellt und mit dem Jüngeren zum Beispiel aus herumliegenden Zaunlatten ein Haus und aus einem Karton einen Fernsehapparat baut. “Wir würden ohne Papa und Mama zurechtkommen…!” Erikssons Kindergesichter, die mit wenigen Strichen entstehen und doch so viele Gefühle widerspiegeln, zeigen die Kinder verständnislos, erfreut, abwartend (der kleine Bruder) und tapfer, überlegend, stolz, hilflos, frech und traurig (der Ich-Erzähler). Die Überraschung schließlich auf dem Gesicht des Älteren ist groß, als Mutter und Vater besorgt durch die Zaunlatten gucken: Sie sind von der Arbeit früher heimgekehrt und haben die Kinder gesucht, die früher aus dem Kindergarten weggegangen sind. Des Rätsels Lösung: Der Ich-Erzähler hatte die Uhr gelernt und glaubte, es sei schon zwei Stunden später als in der Realität. - Diese großartige Geschichte handelt von einem kleinen Kind, das selbstverständlich und mit viel Fantasie eine Verantwortung übernimmt, der es doch noch nicht gewachsen ist. Diese Abenteuergeschichte wird allen Büchereien wärmstens empfohlen.
Ulrike Erb-May, M.A
Studium der Germanistik, Theater-, Film-, Fernsehwissenschaft, Politologie. Ich arbeitete im elterlichen Verlag, als Buchhandelsangestellte, Lektorin und Erwachsenenbildnerin im Elementarbereich, bevor ich vor fast 15 Jahren als freie Referentin zur LAG Jugend und Literatur NRW e.V. kam. Schwerpunkte: Fortbildungen für Erzieherinnen und Büchereimitarbeiter, Schulung von Vorlesepaten, Mädchenfreizeiten, Vermittlung von Kinder- und Jugendliteratur. Seit März 2007 leite ich zusammen mit Andrea Weitkamp das Kinder- und Jugendliteraturzentrum NRW.
Seit 2004 Unterrichtstätigkeit an der Fachschule für Sozialwesen in Prüm (Erzieherausbildung).
Ich bin Jahrgang 1955, kam mit James Krüss zum Lesen und erlebte Fernsehen mit dem „Hasen Cäsar“. Meine erste Tochter liebte „Die fliegende Windmühle“, die ich sieben Mal vorlesen musste; meine zweite Tochter versuchte mich nach wiederholter Lektüre von „Madita“ dazu zu bringen, die Teppiche auf den Stangen genauso zu klopfen wie es in Lindgrens Welt die guten Hausfrauen taten… Unsere Geschmäcker trafen sich später bei Steinhöfels „Die Mitte der Welt“.
Heute begeistern mich gut gestaltete und getextete Bilderbücher, realistische Jugendromane, witzige Kinderromane und in letzter Zeit sogar die Fantasy, die ich lange gemieden habe.
Für den Borromäusverein rezensiere ich seit drei Jahren hauptsächlich Bilderbücher. Mich interessiert die Herausforderung, auch Bücher zu rezensieren, die ich mir nicht selbst ausgesucht habe. Die Routine, die man im Laufe der Zeit bekommt, die Vielfalt, die man kennen lernt und dann das Wieder-Lesen der fast schon vergessenen Zeilen in den „Buchprofilen“ – das alles macht Freude.