Eine kleine Auswahl der bislang weniger bekannten geistlichen Texte Edith Steins hat Maria Antonia Sondermann OCD, Mitherausgeberin der Edith-Stein-Gesamtausgabe, hier als Einzelband veröffentlicht. Die relativ kurzen Texte sind sechs Kapiteln thematisch zugeordnet, es gibt Texte zur Advents- und Weihnachtszeit sowie zur Fasten- und Osterzeit, es geht um die Bildung der Persönlichkeit des Menschen, um das Mysterium der Eucharistie und um die Wirkung des Gebets, ein Kapitel enthält Betrachtungen und Gebete. Die Einführung der Herausgeberin schildert in aller Kürze den Lebensweg von Edith Stein, Zeittafel und Quellenverzeichnis beschließen den kleinen Band. Einiges von dem, was Edith Stein in ihren geistlichen Betrachtungen schreibt, klingt überraschend modern und aktuell, das meiste ist wohl zeitlos zu nennen. Manches ist allerdings auch für den heutigen Leser nicht immer unmittelbar nachvollziehbar, klingt für unsere Ohren vielleicht sogar antiquiert oder merkwürdig fremd; doch das Wissen um den ungewöhnlichen Lebensweg der Autorin sollte Grund genug sein, gerade dann näher hinzusehen und Abstand zu nehmen von vorschnellen Urteilen. In jedem Fall ist man mit diesen geistlichen Texten von Edith Stein nach einmaligem Lesen noch lange nicht fertig. Manches wird man mehrfach lesen müssen, um es ganz zu verstehen, vieles wird man immer wieder lesen wollen. Denn eines ist in allen Texten zu spüren: Hier spricht ein Mensch über das göttliche Geheimnis, der sich von diesem ganz und gar ergreifen lassen hat. Und darin kann die große Heilige jeder Leserin und jedem Leser nur Vorbild sein. (“Religiöses Buch des Monats Juli 2009”)