Ort des Geschehens ist Kaschmir, die krisengeschüttelte Region zwischen Indien und Pakistan. “Helden” des Romans sind der Junge Aftab und der “Terrorist” Akram. “Kann ein Terrorist unschuldig sein?”, diese provokante Frage stellt Aftab, der nichts weiter möchte, als Akram, dem Terroristen mit den dunkelgrünen Augen, in denen “ein eigenes Feuer” lodert, zu dienen und zu imponieren. Die geheimen Treffen und die Ausbildung beim Krafttraining vermitteln Aftab das Gefühl, erwachsen zu sein und etwas für die Freiheit des eigenen Volkes zu tun. Das Gefühl, das Aftab trotz seiner Mittäterschaft bei einem Attentat, das ihn das Leben kosten wird, unschuldig sein könnte, entsteht durch die große Empathie, die die Leser für den Jungen entwickelt. Die Autorin erzählt v.a. aus seiner Sicht in personaler Erzählweise, setzt dagegen aber auch die Sicht Akrams, dessen Gedanken seine Härte, Rücksichtslosigkeit und seinen Hass bis hin zu Mordplänen deutlich machen. Aftab jedoch erfährt davon nichts, er sieht in Akram den genialischen Anführer ihrer “kleinen Armee” im Freiheitskampf. - Durch die Schilderung der Gedankenwelt den beiden Hauptfiguren befürchten die Leser schon früh ein schlimmes Erwachen für Aftab. Konsequent aus Sicht der beiden heraus entwickelt sich das schreckliche Ende, das bereits durch eine von Beginn an vorhandene Erzählstimme angekündigt wird. Kursiv gedruckt, komm hier eine moralische Instanz zu Wort, die gleichzeitig für ein Ansteigen der Spannung sorgt. - In metaphernreicher, blumiger Sprache wird hier eine spannende Geschichte erzählt, die viele junge Menschen ansprechen wird. Sie thematisiert die Wünsche und Fantasien von Heranwachsenden und Konflikte, die wir täglich in den Medien sehen. Ein Glossar und ein Nachwort erweitern das Verständnis des Geschilderten. Sehr empfohlen! (Übers.: Günther Ohnemus)
Ulrike Erb-May, M.A
Studium der Germanistik, Theater-, Film-, Fernsehwissenschaft, Politologie. Ich arbeitete im elterlichen Verlag, als Buchhandelsangestellte, Lektorin und Erwachsenenbildnerin im Elementarbereich, bevor ich vor fast 15 Jahren als freie Referentin zur LAG Jugend und Literatur NRW e.V. kam. Schwerpunkte: Fortbildungen für Erzieherinnen und Büchereimitarbeiter, Schulung von Vorlesepaten, Mädchenfreizeiten, Vermittlung von Kinder- und Jugendliteratur. Seit März 2007 leite ich zusammen mit Andrea Weitkamp das Kinder- und Jugendliteraturzentrum NRW.
Seit 2004 Unterrichtstätigkeit an der Fachschule für Sozialwesen in Prüm (Erzieherausbildung).
Ich bin Jahrgang 1955, kam mit James Krüss zum Lesen und erlebte Fernsehen mit dem „Hasen Cäsar“. Meine erste Tochter liebte „Die fliegende Windmühle“, die ich sieben Mal vorlesen musste; meine zweite Tochter versuchte mich nach wiederholter Lektüre von „Madita“ dazu zu bringen, die Teppiche auf den Stangen genauso zu klopfen wie es in Lindgrens Welt die guten Hausfrauen taten… Unsere Geschmäcker trafen sich später bei Steinhöfels „Die Mitte der Welt“.
Heute begeistern mich gut gestaltete und getextete Bilderbücher, realistische Jugendromane, witzige Kinderromane und in letzter Zeit sogar die Fantasy, die ich lange gemieden habe.
Für den Borromäusverein rezensiere ich seit drei Jahren hauptsächlich Bilderbücher. Mich interessiert die Herausforderung, auch Bücher zu rezensieren, die ich mir nicht selbst ausgesucht habe. Die Routine, die man im Laufe der Zeit bekommt, die Vielfalt, die man kennen lernt und dann das Wieder-Lesen der fast schon vergessenen Zeilen in den „Buchprofilen“ – das alles macht Freude.