“Meine Tochter war dabei zu sterben oder auf die Welt zu kommen”. Fast zwei Monate wird es dauern, bis die zu früh geborene Irene selbständig atmen und trinken kann. Für die beruflich engagierte Lehrerin Maria, Irenes Mutter, beginnt mit diesem Tag ein neues Leben. So intensiv die 42-jährige ihr Glück auch empfindet, stellen sich dennoch Befürchtungen und Selbstzweifel ein: Wie wird sich Irene entwickeln? Wird sie behindert sein? Werde ich Kraft genug aufbringen, um ihr beizustehen? Was für Maria jedoch im Augenblick zählt, ist die Hoffnung auf die Zukunft. Mit dieser Zuversicht entlässt die italienische Autorin Valeria Parrella (Jahrgang 1974) ihre Leser, die sich aufgrund der Intensität des Erzählten emotional in die “Zeit des Wartens” einbezogen fühlen. Indem die gebürtige Neapolitanerin in ihrem empfehlenswerten atmosphärisch dichten, dynamisch strukturierten Debütroman auch soziale Probleme anspricht, spiegelt sie über das individuelle Schicksal hinaus gesellschaftliche Vorgänge, die von ihrer Protagonistin kritisch reflektiert werden. - Ein wundervoller Roman über die Hoffnung und das Leben! (Borromäus-Roman des Monats Dezember; Übers.: Anja Nattefort)