Der 300. Todestag von Abraham a Sancta Clara am 1. Dezember 2009 ist eine gute Gelegenheit, wieder einmal einige seiner großen Predigten zu lesen und auch zu genießen. A Sancta Clara gilt als der Inbegriff eines barock-katholischen Predigers, der mit einer kräftigen und farbenfrohen Bildsprache die Gläubigen in den Bann Gottes ziehen konnte. Heute würde man sagen, dass seine Predigten in Odelzhausen, in Wien und in Graz einen ganz besonderen Event-Charakter besaßen. Um die Laster seiner Zeit anzuprangern, bediente sich Abraham a Sancta Clara zuweilen auch einer drastischen, v.a. aber sehr populären Sprache. Die Menschen verstanden sofort, wovon er sprach, wenn er zum Beispiel über “Festtage sind Fresstage” predigte, über den “Hausratnarr” oder den “Saufnarr” sprach. “Um wiederum auf die Zech- und Weinbrüder zu kommen, sage ich, dass kein bessere Gelegenheit zur Sünd, kein nahenderer Weg zur Höll, keine größere Gefahr, den Himmel zu verschwerzen seie, als das stete Vollsaufen…” Nichts Irdisches war dem frommen Prediger fremd, um seine Zuhörer auf die Größe des einstigen Himmels oder, bei sündhaftem Lebenswandel, der Qual eines Aufenthalts in der Hölle nahezubringen. So war Abraham a Sancta Clara aber nicht nur ein großer Prediger vor dem Herrn, sondern auch ein begnadeter Wortfinder, dem die deutsche Sprache sehr viel an ihrem Reichtum verdankt. In seinem Nachwort weist Franz Schuh ganz besonders auf dieses Verdienst des berühmten Predigers hin. - Für “Büchernarren” (auch ihnen widmete Abraham a Sancta Clara eine Predigt) eine Pflichtlektüre.
Carl Wilhelm Macke
Geboren 1950 in Cloppenburg (Oldenburger Münsterland). Studiert in Hamburg und Hannover Pädagogik und Politische Wissenschaften, aber in Ermangelung des ‘pädagogischen Eros’ habe ich mich immer mehr für das Schreiben interessiert. Lebe seit nunmehr über 20 Jahren in München und seit gut zehn Jahren auch zeitweise im italienischen Ferrara. Verheiratet mit einer Allgäuerin.
Für den St. Michaelsbund schreibe ich seit vielen Jahren Buchrezensionen, vornehmlich über neuere italienische und ‘mitteleuropäische’ Literatur. Mein ganz besonderes Interesse gilt aber - seit der ersten Lektüre der Psalmen - der Poesie in allen Epochen bis hin zur modernen Lyrik unserer Tage. Und neben der Arbeit als freier Journalist arbeite ich seit vielen Jahren als Geschäftsführer des Vereins “Journalisten helfen Journalisten”, der sich nach der Ermordung eines SZ-Korrespondenten am Beginn der Kriege auf dem Balkan Anfang der neunziger Jahre gebildet hat. Dass mich zu diesem Engagement ganz besonders auch die theologischen Arbeiten von Johann Baptist Metz motiviert haben, will ich nicht verschweigen.