Junior hört schon im Mutterleib Stimmen, die ihm das Ende der Welt in erschreckenden Details verkünden. Sie erklären ihm auch, was hinter der Fassade der Menschen in seiner Umgebung steckt: dass sein Vater sich in Arbeit flüchtet, während seine Mutter zu einem alkoholsüchtigen Wrack wird, dass sein älterer Bruder Rodney Kokain konsumiert und später durch den langen Kokainkonsum geistige Schäden davonträgt. Rodney kann nur noch Baseball spielen - und das kann er besser als die meisten anderen Menschen. Der Autor erzählt seine teilweise haarsträubend absurde und dann doch wieder sehr realistische Geschichte abwechselnd aus der Sicht der handelnden Personen. Junior stellt sich immer wieder die Frage, was eigentlich noch zählt, wenn der Weltuntergang naht? Lohnt es sich überhaupt, sich auf Dinge, Menschen und Zukunftspläne einzulassen? Eine Antwort findet er erst in der Liebe zu Amy. Im Original heißt der Roman “Everything Matters!”, - eine passende Antwort auf die Frage, was angesichts des Weltendes eigentlich noch wichtig ist und zugleich eine hoffnungsvolle Botschaft. Der Autor betreibt ein subtiles Wechselspiel zwischen Tragik und Komik, seine Erzählperspektive ist ungewöhnlich: Ein Teil des Romans ist aus Sicht der Stimmen und somit in Du-Form geschrieben; dies befremdet zunächst, doch fühlt man sich als Leser dadurch direkt angesprochen. Ein ungewöhnlicher, verrückter, harter und zugleich einfühlsamer Roman über das Leben an sich. Faszinierend! (Übers.: Eva Kemper)
Ileana Beckmann
Aufgewachsen in Stuttgart und Rom; nach dem Abitur Studium der Komparatistik und Romanistik mit Magisterabschluss an den Universitäten Paris, Bonn und Yale. Verheiratet, 2 erwachsene Söhne. Neben dem Dasein als Hausfrau und Mutter Übersetzungen aus dem Französischen, Italienischen und Englischen für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft; Leiterin der KöB in Hagen-Dahl; Leitung verschiedener Literaturgesprächskreise, Dozentin (Literatur) der VHS und des Kath. Erwachsenenbildungswerks Lüdenscheid.
Zum Rezensieren (Belletristik für die Medienprofile und Romane und Hörbücher für den Ev. Buchberater) bin ich gekommen, um meine Leselust rechtfertigen und in der Hoffnung, andere mit meiner Begeisterung für gute Bücher anstecken zu können und davon zu überzeugen, dass gut ausgewählte Literatur ein Ratgeber und Helfer in manchen existenziellen Fragen ist.
Lieblingslektüre: französische Romane des 19.Jh., moderne franz. Autoren, Ian McEwan und John Irving, und schließlich neben dem Klassiker Thomas Mann die deutschsprachigen Autoren Martin Suter und Bernhard Schlink und Uwe Timm.