24.02.2012

Spurensuche

Wer sind sie, die Helden der Nachhaltigkeit? Was müssen die Figuren in den Geschichten heute tun, um die Welt zu retten? Kann man angesichts der überall herrschenden Unübersichtlichkeit der Verhältnisse überhaupt noch handeln, literarisch oder real? Welche Impulse gibt ein christlicher Schöpfungsglaube? Und kann so ein sachliches und eher abstraktes Thema überhaupt spannend aufbereitet werden und literarisch ankommen? [mehr]

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Eine Frau und ein Mann begegnen sich in einem Wellnesshotel. Sie möchte ein neues Videoprojekt realisieren, er sucht nach einem Weg aus der Schreibblockade. Beide haben unruhige Zeiten und manches Unbearbeitete und Nichtverdaute im Lebensgepäck. Durch wechselseitiges Beäugen, Begleiten in Gedanken ... weiter

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Bibs

Bibs sitzt in der Wäschekammer im Wäschekorb. Sein Tag war nicht gut, seine Laune ist auf dem Tiefstand, ja, er ist wütend. “Er heult, aber das hört ja kein Mensch. Was er nur hat? Sein Fahrrad ist weg. Gestern Abend war es noch da. Seine Mutter hat mit ihm geschimpft. Außerdem gießt es die ganze Zeit. Schwimmen gehen, ausgeschlossen.” Ganz alleine sitzt er im Wäschekorb und in seiner Wut und Verzweiflung denkt er die berühmten Wenn-Sätze: “Wenn ich doch nur einen Kaugummi hätte.” Und seine Gedanken werden Wirklichkeit. Nach und nach erlebt er seine eigene “Schöpfungsgeschichte”, in der er die Dunkelheit wie das Licht, das Fallen wie das Aufgefangenwerden, die Lust am Erschaffen wie die Ermüdung angesichts alles dessen, was beim Erschaffen bedacht werden muss, erlebt. Verwundert stellt er sich auch die Frage, “wer oder was das alles herbeischafft”, wobei Enzensberger in der kindlichen, realistischen Ausdrucksweise bleibt und Berner mit ihren einseitigen, leicht surrealistischen Bildern bereits eine mögliche Antwort gibt. Dies ist eine sehr vielschichtige und auch gestalterisch auf hohem Niveau angelegte Kindergeschichte, die Kinder dennoch leicht nachvollziehen können. Die kindlichen Gefühle werden durch die Betrachtungsweise des beobachtenden, allwissenden Erzählers (“Bibs ist ganz komisch zumute. Vielleicht wird ihm schlecht?”) sehr deutlich. Die fantastischen Elemente der Wunscherfüllung unterhalten Kinder, die die Realität bereits einschätzen können, und erhalten durch Berners Bilder den nötigen Kontrast. Die “Fibelschrift”, serifenlos und mit dem nötigen Zeilenabstand, können geübte Achtjährige gut lesen. Fünfjährigen - so die Altersempfehlung des Verlages - muss er sicherlich nicht nur vorgelesen, sondern auch vermittelt werden. - Größeren Büchereien wärmstens empfohlen.

Ulrike Erb-May, M.A

Studium der Germanistik, Theater-, Film-, Fernsehwissenschaft, Politologie. Ich arbeitete im elterlichen Verlag, als Buchhandelsangestellte, Lektorin und Erwachsenenbildnerin im Elementarbereich, bevor ich vor fast 15 Jahren als freie Referentin zur LAG Jugend und Literatur NRW e.V. kam. Schwerpunkte: Fortbildungen für Erzieherinnen und Büchereimitarbeiter, Schulung von Vorlesepaten, Mädchenfreizeiten, Vermittlung von Kinder- und Jugendliteratur. Seit März 2007 leite ich zusammen mit Andrea Weitkamp das Kinder- und Jugendliteraturzentrum NRW.
Seit 2004 Unterrichtstätigkeit an der Fachschule für Sozialwesen in Prüm (Erzieherausbildung).
Ich bin Jahrgang 1955, kam mit James Krüss zum Lesen und erlebte Fernsehen mit dem „Hasen Cäsar“. Meine erste Tochter liebte „Die fliegende Windmühle“, die ich sieben Mal vorlesen musste; meine zweite Tochter versuchte mich nach wiederholter Lektüre von „Madita“ dazu zu bringen, die Teppiche auf den Stangen genauso zu klopfen wie es in Lindgrens Welt die guten Hausfrauen taten… Unsere Geschmäcker trafen sich später bei Steinhöfels „Die Mitte der Welt“.
Heute begeistern mich gut gestaltete und getextete Bilderbücher, realistische Jugendromane, witzige Kinderromane und in letzter Zeit sogar die Fantasy, die ich lange gemieden habe.
Für den Borromäusverein rezensiere ich seit drei Jahren hauptsächlich Bilderbücher. Mich interessiert die Herausforderung, auch Bücher zu rezensieren, die ich mir nicht selbst ausgesucht habe. Die Routine, die man im Laufe der Zeit bekommt, die Vielfalt, die man kennen lernt und dann das Wieder-Lesen der fast schon vergessenen Zeilen in den „Buchprofilen“ – das alles macht Freude.

 

Bibs

von Hans M. Enzensberger, Rotraut S. Berner
HANSER(2009)
Hardcover

ISBN-10: 3446233806 ISBN-13: 9783446233805 MedienNr.: 314612 12.90 €
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