Diese Kinderbibel enthält im Vergleich zu anderen ein breites Spektrum an Psalmen und viele alttestamentliche Frauengestalten, die eine berechtigte Aufwertung erfahren. Der neutestamentliche Teil folgt nicht einem Evangelium, sondern ist mit Texten aus allen vier Evangelien bestückt. Leider sind bei den Erzähltexten die jeweiligen Bibelstellen nicht angegeben. Die Schweizer Religionspädagogin Vreni Merz erzählt in einfacher, leicht verständlicher Sprache bei großer Nähe zum Bibeltext ansprechend und anspruchsvoll. In den Einführungen zu den Kapiteln und im “Ausklang” am Ende des Buches leistet sie wichtige und kindgemäße bibelkundliche Aufklärungsarbeit. Anders als beim Text ergeben sich bei der Illustration erhebliche Bedenken. Mit der Rose als wiederkehrendes Gottessymbol beschreitet die Illustratorin einen nicht unproblematischen Weg. Mit der Rose wird zwar Geheimnisvolles suggeriert, aber auch etwas vorgegeben, das die Vorstellung von Gott festlegen und den Zugang für Kinder unnötig erschweren kann. Im NT wird die Göttlichkeit Jesu betont und eine Gestalt präsentiert mit einem Gesichtsausdruck ohne nennenswerte Gefühlsregungen sowie mit einer leuchtend weißen Gewandung. Eine derartige Betonung der Göttlichkeit auf Kosten des Menschseins bis hin zur blutleeren Gestalt, bei der auch die Dornenkrönung keine blutenden Wunden hervorruft, muss theologisch wie religionspädagogisch mit Fragezeichen versehen werden. Mit einer fehlenden optischen Zäsur zwischen der Darstellung des irdischen Jesus und des auferstandenen Christus wird überdies die Besonderheit der Auferstehung nivelliert: Jesus lebt scheinbar weiter wie bisher. - Aufgrund der Illustrierung ist diese Kinderbibel, die hinsichtlich des Textes (die Bibelstellen sind nicht angegeben!!!) hinter den erreichten Standard zurückfällt und eine problematische Illustrierung aufweist, allenfalls als Vorlesebibel zu empfehlen.